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Oldie und Goldie fliegen im Plastiksack nach Hause…

Oldie und Goldie wurden ohne Probleme für den Flug angenommen. Das Flugzeug nach Frankfurt ist zum Glück genügend gross. Die Frage ob ich die Luft aus den Reifen rausgelassen habe bejahte ich natürlich brav und mit einem Pokerface, auch wenn mir gerade eingefallen ist, dass ich dies nur bei M.s Rad gemacht habe. Es wird einem sowieso empfohlen, nur ganz wenig Luft rauszulassen, damit die Felge nicht beschädigt wird. Von Frankfurt werden die grossen Taschen und die Fahrräder mit Hermes nach Hause geschickt. Es war alles ganz genau geplant, leider sollte sich rausstellen, dass wir mit Hermes noch 1 Woche (selbst aus Costa Rica) streiten müssen, da die Fahrräder nicht wie geplant im Hotel abgeholt wurden.

Unser Abschiedsessen mit V. und E. in Athen

Unseren Abschied aus Athen haben wir mit V. und E. in einem griechischen Restaurant gefeiert. Was auf den Tisch kommt, wenn gleich zwei Griechen dabei sind, könnt ihr auf dem Bild sehen.. Das war jedoch nur ein Teil… 🙂 Beim definitiven Abschied vor dem Appartement wurden dann schon die Äuglein etwas feucht, wir werden uns auf jeden Fall wiedersehen.

Alternative zur Kartonschachtelverpackung der Fahr…

Da ich keine Lust hatte unsere Fahrräder stundenlang fürs Verpacken in Kartonschachteln vorzubereiten, habe ich mich über alternative Möglichkeiten informiert. Die Variante, die Fahrräder in dicken Plastik zu verpacken, schien mir die Beste zu sein. So merken die Mitarbeiter am Flughafen gleich, dass es sich um ein Fahrrad handelt und behandeln es hoffentlich auch dementsprechend. Wir sind wieder einmal "zufällig" an einem Geschäft vorbeigelaufen, wo sie den dicken Plastik verkauft haben. Das graue "Panzerband" konnte ich in einem anderen Geschäft organiseren. Dieses Klebeband ist wirklich Gold wert und klebt Alles bombenfest.

Zur Not wühlt man(n) halt im Müll…

Ich wollte unsere Fahrräder und vorallem die Anhänger mit Schaumstoff schützen. Den Schaumstoff zu kriegen ist in Griechenland gar nicht mal so einfach. Unser einheimischer Freund V. wusste nicht einmal das griechische Wort dafür. 🙂 Auf einem Spaziergang habe ich am Strassenrand ein altes Sofa gesehen. Klar war ich beim Eindunkeln bewaffnet mit Taschenmesser und einer Plastiktüte wieder dort und habe den Schaumstoff rausgeschnitten. M. war das Ganze ziemlich peinlich. 🙂 Den restlichen Schaumstoff haben wir von einer Möbelpolsterei erhalten bei welcher ich im Schaufenster Schaumstoffreste habe rumliegen sehen. Einmal freundlich nachfragen und wir wurden mit Schaumstoffresten überhäuft. Dem "Verhüllungsprojekt" stand somit nichts mehr im Wege und ich konnte wieder eine Punkt von meiner ToDo Liste streichen.

Zur späten Stunde tanzen die Griechinnen auf den T…

Dass die Griechen ein anderes Temperament als wir Zentraleuropäer haben, sollte bekannt sein. Was sich aber zur späten Stunde in dieser Taverne zugetragen hat, habe ich noch nie gesehen. Die beiden Musiker spielen mit Leib und Seele griechische Musik und immer wieder singen die Gäste mit. Wie cool ist das… Es kam soweit, dass die Griechinnen am Nachbartisch erst um den Tisch tänzelten und dann schon bald auf dem Tisch ihre, nicht unbedingt schmalen Hüften, kreisen liesen…. 🙂

Unser erster Besuch in einer richtigen griechische…

V. hat uns in eine stilechte Taverna ausgeführt, was für ein Glücksfall. Mit einem Einheimischen Essen zu gehen ist immer eine andere Erfahrung, als wenn man als Tourist irgendwo hingeht. Hierhin verirrt sich so gut wie nie ein Touri. Je weiter südlich man geht, umso später geht man Essen. Und Athen ist sehr südlich. 😉 Wir haben uns gegen 22:00 Uhr verabredet, bis wir in der Taverna waren, war es gegen 23:00 Uhr. Irgendwie spannend, die Pünktlichkeit scheint auch mit jedem Längengrad gegen Süden abzunehmen. 🙂 Aber wir haben ja sonst nichts zu tun, da wartet man gerne. V. hat als erstes Mal eine kleine Flasche Ouzo bestellt. Was für ein Start. Ich war schon nach dem beschnuppern des 40% starken Getränkes fast besoffen, das ist jedoch erst der Anfang, es sollten noch einige Krüge Wein an unseren Tisch gebracht werden. 🙂 Auf dem Teller zu sehen sind gegrillte Tintenfische in einer schmackhaften Sauce. Diese werden sozusagen mit Haut und Haar verspiesen.

Sonnenuntergang über Athen

Hier kriegt man den Eindruck, dass die Sonne in ein weisses Meer taucht. Athen und seine Vororte sind so gross, dass man nur ein Häusermeer sieht, soweit das Auge reicht. Links sieht man übrigens ganz klein noch die Akropolis im Hintergrund. Schon verblüffend, wie man diese von fast jedem Winkel in Athen sehen kann.

Es gibt sie doch, die “Robi-Dogs”

Nur leider werden sie nicht nachgefüllt, so dass sich bereits Spinnweben ansetzen. Die Hundehalter sind so zumindest teilweise freizusprechen. 🙂 Im Attiko Alsos Park habe ich zum ersten Mal einen Hunde-Kacka-Säckchen-Spender gesehen, in Athen sucht man die Dinger vergebens. Das Ergebnis sieht man auf den Strassen. Man muss immer gut aufpassen, wo man hintritt, sonst kann schon mal eine weiche Überraschung auf einen warten.

Das Braun Möbel Center aus Singen liefert auch nac…

Ich staune nicht schlecht, als ich auf der Strasse einen gelben Lastwagen mit der Braun Möbel Center Werbung sehe. Ich fühle mich gleich wieder in meine Jugend zurückversetzt, habe ich doch dort meinen ersten Tisch und Stühle gekauft, welche ich übrigens immer noch besitze. Ich sehe schon bald, dass natürlich griechische Nummernschilder angebracht wurden, man sich jedoch nicht darum geschert hat, dass noch die Werbung vom Vorbesitzer drauf war. Auch das haben wir vorallem in Albanien beobachtet, da fuhren einige Kleinbusse mit deutscher, österreichischer und auch Schweizer Werbung rum. 🙂

Demonstrationen in Griechenland

Was hier in Athen betreffend Demos und Protesten abgeht, wird in den westlichen Medien wohl kaum erwähnt.
http://rt.com/news/206359-greece-clashes-us-embassy/
Bereits in der ersten Woche bin ich in einen Protestzug gelangt. Dazu gleich mehr.
Wir wollten uns in einem Shopping Center eindecken, da ist uns schon aufgefallen, dass die meisten Schaufenster verbarrikadiert waren. Ich dachte mir erst, dass das eine Auswirkung der Wirtschaftskrise ist und es sich nicht mehr lohnt, alle Schaufenster herzurichten. Wir sind also rein und ich schon bald wieder raus. Es ist ein Einkaufszenter im englischen Stil, viele kleine Kleiderboutiquen auf einer grossen Fläche verteilt. Extrem unübersichtlich. Ich warte also draussen auf M., ist eh viel interessanter die Leute zu beobachten. Da fällt mir auf, dass sich viele Polizisten in "Vollmontur", also mit Helm, Schild, Schlagstock und Schutzkleidung wie fürs Motorradfahrern aufgestellt haben. Jetzt wurde mir erst so richtig bewusst, dass die Polizei, welche in Athen zumindest im Zentrum allgegenwärtig ist, immer in "Vollmontur" rumsteht. Das ist bei uns höchstens der Fall, wenn Krawalle und wüste Schlägereien zu erwarten sind. Ich fand das etwas überreagiert. Ich sollte mich täuschen. Die Polizei muss hier wirklich jeden Tag mit Ausschreitungen rechnen. Während unserem Aufenthalt werden noch viele unschöne Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden passieren.
Ich beobachte den Security Menschen des Einkaufszentrums, welcher mit einer Schussweste rumsteht, als plötzlich sein Funkgerät krächzt. Er scheucht sofort die qualmenden Angestellten durch den Haupteingang, um ihn kurz dananch mittels eines massiven Rolltors zu verriegeln. Ich hätte reingehen können, draussen wird es aber sicher spannender. Schon kurz darauf sind die ersten Sprechchöre zu hören und wenig später ziehen viele Protestierende, vorallem Jüngere vorbei. Mir wird schon etwas mulmig ums Herz. Da die Banner in griechisch geschrieben sind, kann ich nicht viel verstehen. Ich lese jedoch das Wort "Nazi", kann mir jedoch nichts darunter vorstellen. Ein paar Minuten später ist der Spuk auch schon vorbei, dieses Mal verlief alles zum Glück friedlich. Das Rolltor geht hoch und ich schaue M. direkt in die Augen. Ich denke mir "Und hier kommt ihr Herzblatt…" 😉 Ich lache schelmisch, als ob ich etwas Verbotenes gemacht habe in dem ich draussen gewartet habe.

Griechischer Schafsjoghurt, aus altbewährten Tonge…

Schon spannend, dass es hier wirklich noch Schafsjoghurt in Tongefässen zu kaufen gibt. Ist wahrscheinlich sogar ökologisch sinnvoller als Plastikbecher mit Aludeckel zu verwenden. Und schmecken tut er…. hmmmm… mit einer richtig dicken Schicht Rahm obenauf, bevor er etwas weicher wird. Zusammen mit Honig und Nüssen… ein Traum. Hatten wir das nicht schon einmal? 🙂

THE END… hier spricht M.

Ich habe die Ehre, den letzten Bericht unserer Veloreise zu verfassen. Es ist ein Resumé, und wie kann dieses anderes als statistisch sein 😉

Los gehts….

Ja / Ikke / Takk (Norwegen)
Ja / Ingen / Tack (Schweden)
Ja / Ingen / Tak (Dänemark)
Ja / Nein / Danke (Deutschland)
Ja / Nein / Danke (Österreich)
Si / No / Grazie (Italien)
Da / Ne / Hvala (Slovenien)
Da / Ne / Hvala (Kroatien)
Da / Ne / Hvala (Bosnien)
Da / Ne / Hvala (Montenegro)
Po / Jo / Faleminderit (Albanien)
Ναι / Οχι / Ευχαριστο (Griechenland)

Total Gewicht:
P: 60 Kg (anfänglich noch viel mehr)
M: 38 Kg

Wir werden diese Reise mit all ihren Erfahrungen von "sehr anstrengend", i.e, Grenzerfahrung , bis hin zu "beflügelnd" und mit ihren unzähligen, wunderbaren Begegnungen immer als ein Geschenk in unserem Herzen bewahren.

An dieser Stelle möchte ich ein riesiges DANKESCHÖN an P. ausrichten! Er hat mit diesem Blog nicht nur Euch sondern laufend auch mir eine grosse Freude bereitet. Beim einen oder anderen Bericht habe ich Tränen gelacht und bin mir sicher, dass ich das viele Jahre später auch noch tun werde…
Was für ein Erinnerungsstück!

Die Berichterstattung über die Veloreise ist somit abgeschlossen, es werden möglicherweise noch einige Beiträge über den restlichen Monat in Athen und die 6-Wochen in Costa Rica folgen. Wer mag, darf weiterhin lesen, ansonsten bedankt sich P. schon mal fürs Lesen.

Den letzten Berg, den wir noch bezwingen müssen

Am gleichen Abend formiert sich der wohl letzte Berg vor unseren Augen, den wir in Athen noch bezwingen müssen. Unser Wäscheberg. 🙂 Die nächsten Tage werden wir mit Wäsche und Ausrüstung waschen verbringen. Jetzt wo wir noch so viel Zeit haben, macht es Sinn, alles hier schon zu waschen und nicht zu warten, bis wir wieder in der Schweiz sind.

Unser Nest mitten in Athen

Was für ein Luxus, unser "Blooming Nest", welches wir dank AirBnB in Athen gefunden haben. Alles super stylisch und M. erfreut sich an den Blumenmustern und Farben, ich am doch eher flotten WLAN. 🙂 So sind die Bedürfnisse nach mehreren Monaten auf dem Bike doch etwas unterschiedlich. 🙂
Hier bleiben wir also bis Ende November, wenn es dann weitergeht nach Costa Rica. Wir können es noch gar nicht glauben, dass unsere Bikereise nun doch schon vorüber ist. Ich bin jedoch bereits etwas ungeduldig, muss ich doch noch Einiges vorbereiten, bis die Räder und Anhänger wieder einwandfrei zu Hause sind.

Unser persönlicher Athen Bike Guide

Wir fahren runter vom Berg und halten kurz an, um zu beraten, wo wir jetzt hinfahren, damit wir nicht auf die Autobahn gelangen. Wir werden dabei von einem Griechen in erstaunlich gutem Deutsch angesprochen. Er erzählt uns, dass seine Mutter Österreicherin ist und sein Vater Grieche, und er deshalb Deutsch spricht. Wir fragen ihn nach dem Weg nach Athen, er meint wir sollen ihm nachfahren. Er trifft sich mit einem Freund im Kaffee, der die Gegend gut kennt. Der Freund erklärt uns den Weg, wir bedanken uns bei Beiden und düsen los. Als wir an der besagten Kreuzung ankommen, ist es die Abzweigung auf die dreispurige Autobahn nach Athen. Na suuuper. Der Dödel hat wohl nicht kapiert, dass unsere Fahrräder keine Motorräder sind. Wir suchen selber vergebens nach einem Weg und kommen wieder zur Autobahnauffahrt. Ich frage einen Automobilisten, der gerade in sein Auto einsteigt, ob es erlaubt sei mit dem Fahrrad auf der Autobahn zu fahren. Er weiss es nicht, meint aber eher nein. So stehen wir da und wissen nicht weiter. Da hält neben uns ein Polizeiauto. Was für ein Glück. Der Polizist meint, es sei nicht erlaubt, er wisse aber auch nicht, wie wir mit dem Fahrrad nach Athen kommen. Wir sind natürlich enttäuscht. 🙁 So machen wir uns auf, einen anderen Weg zu verfolgen, welchen M. auf der Karte gefunden hat. An einem Kiosk sehe ich einen Rennradfahrer und frage zum dritten Mal nach dem Weg. Wer sagt nochmals, dass nur Frauen nach dem Weg fragen. 😉 Er bietet uns gleich von seinen getrockneten Mangos an. Wie nett. Er meint, dass er uns den Weg nach Athen zeigen wird, er möchte auch nach Athen rein. Als er sich dann beim Kioskverkäufer nach dem Weg erkundigt, schaue ich M. schon etwas fragend an. Hat er nicht gerade gesagt, dass er den Weg kennt? Ich ahne Schlimmes und entschuldige mich bei ihr, nicht ihren Weg gefahren zu sein und erneut nach dem Weg gefragt zu haben. Wir fahren also im Schlepptau von V. in die Richtung, welche er vom Kioskverkäufer erfahren hat. Ich sehe auf dem GPS, dass wir auf dem gleichen Weg zurück sind. Hmmm. Vielleicht hat er ja genau die Strasse erklärt bekommen, welche wir nicht gefunden haben. Als wir wieder an der grossen Kreuzung mit dem Abzweiger auf der Autobahn stehen, könnte ich mir echt eine scheuern. Wir erklären ihm, dass wir hier bereits einmal waren und es nur die Autobahn gibt. Er meint nur: "Aha.. " und schaut alle Wegweiser an. Wir fahren ersteinmal über die Kreuzung, um uns zu beraten. Da kommt ein Radrennfahrer von der Autobahn runter gebraust und wartet am Lichtsignal. V. redet kurz mit ihm und meint dann, wir können ohne Probleme auf die Autobahn und düst los. Meinen Protest höre nur ich… so fahren wir zum x-ten Mal auf unserer Reise mit dem Fahrrad auf einer Autobahn. Einem "gesetzes-hörigen" Schweizer fällt es natürlich sehr schwer, mit dem Fahrrad auf die Autobahn zu fahren. In der Schweiz wäre man innerhalb von Minuten im Radio und kurz später auch schon von der Polizei sicher von der Autobahn geleitet mit dem anschliessenden Affentheater. Wie konnte es anders kommen, als dass uns eine Gruppe von Motorradpolizisten überholt. Mir rutscht das Herz in die Hose. Als die erniedrigende in "Handschellen Legung" inklusive Verbrennung der Schweizerflagge am Strassenrand ausbleibt, erzähle ich V. davon, dass ich mich bei einem Polizisten erkundigt habe, ob man auf der Autobahn fahren darf, und er es verneint habe. V. meinte dann nur, ob ich die Polizei gefragt habe, oder ob sie es von sich aus gesagt haben. Da wurde mir der kleine feine Unterschied bewusst. Offiziell ist es nicht erlaubt, wenn man es jedoch macht, interessiert es Keinen. Ich fühlte mich irgendwie nach Albanien zurückversetzt. 🙂 V. hat uns auf jeden Fall sicher und mit einer Engelsgeduld (wir radelten mit unseren schweren Anhängern um einiges langsamer als er mit seinem 7-8 Kg Carbon Rad) nach Athen reingeführt. Wir waren beide heilfroh, mussten wir einfach nur ihm folgen und nicht noch selber nach dem Weg suchen. Athen, welches mit seinen Vororten längst verschmolzen ist, zählt ca. 3.5 Mio Einwohner. Und nicht wenige davon fahren in der Stadt mit ihrem Auto rum. Wir kamen nach einer kleinen Rast und mehr als 70 Km nur ca. 30 Min zu spät zum Übergabetermin der Wohnung. V. hat uns gleich noch geholfen, die ganzen Sachen hochzutragen. Wir haben Telefonnummern ausgetauscht und uns für einen Kaffee verabredet. Dies war der Anfang einer besonderen Freundschaft.

Tausende Fahrradfahrer kommen uns auf dem Pass ent…

Heute ist wohl die ganze fahrradfahrende Bevölkerung von Athen auf den Strassen. Sie absolvieren das "ΕΛΛΝΗΙΚΟ Brevet". 200 Km Radfahren an einem Tag, inklusive vieeeeele Passfahrten. D.h. 9-12h im Sattel sitzen. Alle Achtung. Es sind aber vorallem wir, die von den auf den mit dünnen Reifen beschlagenen Carbonrössern daherbrausenden Heerscharen Beachtung gekriegt haben. Ein gutes Gefühl am letzten Tag auf dem Bike. 🙂

Griechenland kann auch sehr kalt sein

Es scheint, als ob wir an unserem letzten Biketag nochmals alle Eindrücke hätten durchleben sollen, damit wir uns auch ja daran erinnern. Es ist sehr anspruchsvoll. Wir befinden uns auf einer Hochebene auf ca. 500 MüM, der Himmel ist wolkenbedeckt und das Thermometer zeigt lediglich 9 Grad. Mit "wind-chill Faktor" sind das wahrscheinlich nur gerade 6 Grad. Auch heute habe ich wiedereinmal meine warmen Sachen in der Tasche, so fahre ich mit kurzen Hosen, immer etwas fröstelnd. Kurz vor Stefani werden wir noch einmal von fünf bis sechs Hunden verfolgt, zum Glück kann der Bauer sie zurückpfeiffen. Als wir dann vor einer Bäckerei halt machen, ich noch immer wie auf Nadeln nach der Attacke, fallen auch noch unsere beiden Velos um. Die Stimmung ist irgendwie am Nullpunkt, und ich freue mich, dass uns die junge Bedienung extra zwei Stühle aus der Backstube besorgt und uns in der Bäckerei etwas zu Kräften und Wärme kommen lässt. Sie offeriert uns auch zwei Tees, obwohl sie diesen eigentlich nicht im Angebot hat. Sie spricht nur wenig Englisch, trotzdem können wir uns einiges erzählen. Wir erfahren von ihr, dass unsere geplante Route so nicht befahrbar ist, da dort eine Rally stattfindet. So machen wir uns auf die letzten Höhenmeter, um anschliessend über 500 Höhen Meter wieder runter ans Meer zu fahren. Die Stimmung hebt sich wieder, das Wetter wird schöner und vorallem wieder fast 20 Grad warm.

Letztes Mal unfreiwilliges Wildcampen

Heute durften wir zum letzten Mal unfreiwillig wildcampen. Es gab einfach keine Unterkunft, in einer mit dem Velo machbaren Distanz. Zum Glück haben wir das schon erwartet und uns somit mit Essen und Trinkwasser eingedeckt. So war es dann nur noch ein sich an die kalten Temperaturen gewöhnen, die in der Nacht bis auf 3 Grad gesunken sind. Wenn alles klappt, sind wir morgen übrigens bereits in Athen, fast 4 Wochen früher als geplant. Wir freuen uns darauf, es wurde zunehmend schwieriger offene Hotels und vor allem Zeltplätze zu finden. Ich empfehle Griechenland bis Ende Oktober durchfahren zu haben, sonst wird es zu einem logistischen Problem.

Am Sonntag wird scharf geschossen

Nach dem wir bei eisigen Temperaturen unser Zelt abgebaut haben, geht es auf Nebenstrassen in Richtung Athen. Immer wieder hören wir auf dem Weg Schüsse und fragen uns, was hier wohl vor sich geht. Ich sehe am Strassenrand ganze Berge von Schrottmunition, da wird mir klar, die Griechen sind am Jagen. Wie wir schon bald sehen, stehen diese mit ihren 4×4 Fahrzeugen irgendwo am Strassenrand und knallen mit ihren Schrottflinten irgendwelche Vögel in der Grösse von Elstern ab. M. sieht zweimal, wie ein Vogel zu Boden fliegt, ich sehe lediglich blutige Spuren auf der Strasse. Es scheint sich hierbei um einen sonntaglichen Volkssport zu handeln. Soweit wir das beurteilen können, werden die Vögel lediglich abgeknallt, jedoch anschliessend nicht eingesammelt.

Markantes Kriegsdenkmal

Von Delfi sind wir weiter hoch gefahren bis ins fast 1000 MüM gelegen Arachova. Das Dorf hätte ohne Probleme irgendwo in den Alpen stehen können. Es gab Winterkleider zu kaufen und Skier zu mieten. Wir konnten jedoch keine Skipisten ausfindig machen. Uns fiel auf, dass alle Bewohner in ihren Daunenjacken unterwegs waren. Wir haben uns entschieden dort schön Mittag zu essen. Als wir wieder rauskamen war uns klar, warum alles so gekleidet waren. Nun abgekühlt, konnten wir die vielleicht 10-11 Grad am eigenen Körper spüren. Wir hatten uns natürlich nicht auf so kaltes Wetter eingestellt und die warmen Sachen in den Taschen gelassen. Angezogen wurde alles Greifbare, Mann schreckte auch nicht vom T-Shirt aus dem, aus Gründen der möglichen Kontamination, aussen angebrachten Wäschesack zurück und so konnte man sich auf die 13 Km lange Abfahrt freuen. Unten angekommen, sind wir dann an diesem grossen Kriegsdenkmal vorbei gefahren. Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen, um was es sich genau handelt.

Udo Jürgens hat ihn 1974 schon besungen…

den "Griechischen Wind"… ah Moment, das war ja der "Griechische Wein" 🙂
Wir haben auf jeden Fall mit dem "Griechischen Wind" Bekanntschaft gemacht. Vorallem auf der leichten Passtrasse runter zur Brücke nach Rio war der Wind heftiger, als wir ihn sonst wo auf dem Velo erlebt haben. Es ging soweit, dass ich regelrecht an die zum Glück vorhandene Strassenabsperrung gedrückt wurde. Ohne diese, wäre ich wohl im mehrere hundert Meter tiefer gelegen Meer schwimmen gegangen. Wir sind auf jeden Fall im Schneckentempo die Strasse runter gefahren, der anhaltende leichte Regen hat auch nicht gerade zur Entspannung der Lage beigetragen.

Delfi, Sanctuary of Apollo

Und wieder ein UNESCO Weltkulturerbe auf unserer Reise. Wir haben uns vor der Reise nicht speziell darauf fokussiert und trotzdem sind wir mindestens an 5 vorbei gekommen. Wahnsinn. Die riesige Anlage bei Delfi hat die Auszeichnung auf jeden Fall verdient. Auf vielen hundert Quadratmetern können Ruinen des "Apollo Heiligtums" besichtigt werden. Auf diesem Gelände steht der Apollo Tempel, auf dem Bild nur noch durch die 3 Säulen und den ganzen Bau hinter dem runden Kreis des Atriums erkennbar. Vom höchsten Punkt des Atriums hat man einen super Ausblick ins Tal runter. Einfach der Hammer. Schon im 14 bis 11 Jh vor Christus wurden hier die ersten Götter verehrt. Richtig bekannt wurde Delfi jedoch erst durch sein Orakel. Das kann man sich in etwa so vorstellen: Eine Frau wäscht sich begleitet von mehreren Priestern nackt in einer Quelle und wird anschliessend in den Tempel von Apollo geführt. In einem Raum, in welchem aus einer Felsspalte austretende Dämpfe der guten Frau die Sinne vernebeln, gibt sie in ihrer Trance nur noch unverständliche Laute von sich, welche dann von den Priestern gedeutet und den Bittstellern in verständlicher Sprache übermittelt werden. Man stelle sich einmal diese Machtposition der Priester vor.
Die offizielle Geschichte kann in folgendem Wikipedia Artikel nachgelesen werden: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Orakel_von_Delphi

It’s all Greek to me…

na kein Wunder, es ist ja auch griechisch geschrieben… 🙂
Im Deutschen kennen wir den Ausdruck: "Das kommt mir Spanisch vor". Im Englischen heisst es wörtlich übersetzt: "Es kommt mir Griechisch vor"…irgendwie passend, in Griechenland, finde ich. Zum Glück sind zumindest die Wegweiser immer noch in lateinischen Buchstaben geschrieben, siehe blaues Schild im Hintergrund. Wir brauchen beim Entziffern der griechischen Buchstaben meistens so lange, dass das Schild schon wieder vorbei ist. Ich bin erstaunt, wie M. Dank der Mathematik zwar wie ein Erstklässler aber immerhin die Schilder alle lesen kann. Auf dem Schild steht also oben Athina und unten Delfoi oder eben Athen und Delfi. Beim lesen des Schildes wird uns langsam aber sicher klar, dass wir unserem Ziel Athen immer näher kommen. Wenn alles klappt, sollten wir bis am zweiten November in Athen sein.

Riesige Olivenhaine bei Itea

Die Einwohner von Itea verdienen ihr Geld offensichtlich nicht nur im Eisenerz Abbau, sondern vielmehr auch mit dem Anbau von Oliven. Auf dem Foto zu sehen, sind riesige Olivenhaine, welche sich ins ganze Tal ausbreiten. Mein Objektiv war leider zu wenig "weitwinklig" als dass ich alles hätte erfassen können. Auf der Fahrt durch die Haine konnte ich einfach nicht widerstehen und habe in ein pralle schwarze Olive gebissen. Es fühlte sich an, als würde man in eine pralle Kirsche beissen, auch war der Saft etwas rötlich. Hmm.. köstlich dachte ich noch immer an Zuger Kirschen denkend. Tja…dann aber berührt der Saft die Geschmacksknospen der Zunge und.. wäääääääkkkk…… Das Gehirn registriert nun den bitteren Geschmack, welcher einen die Olive in weitem Bogen und mit ordenlicher Untermalung nicht gerade jugendfreier Ausdrücke ausspucken lässt. Ich hatte mir noch selten, zumindest als Erwachsener, freiwillig so etwas ekliges in den Mund gesteckt. 😉 Da frage ich mich schon, wie die Oliven weiter verarbeitet werden müssen, damit sie geniessbar werden. Der Geschmack bleibt leider noch lange im Mund, auch Ausspülen mit Wasser hat nicht wirklich geholfen. Ein Raki oder hier in Griechenland wohl eher ein Ouzo würde sicher helfen, ist aber leider keiner gerade zur Hand.

Eisenerz Förderung bei Itea

Schon von weitem sehe ich das riesige Frachtschiff, welches vor einem rötlich braunen Hintergrund angelegt hat. Als wir näher kommen, bemerken wir Aktivitäten mit sehr schweren Maschinen. Riesige gelbe Lastwagen mit mindestens 2.5m hohen Rädern, welche dunkel schwarzen Rauch ausspucken und jedem Greenpeace Aktivisten schlaflose Nächte bereiten, Pneulader mit riesigen Schaufeln, ebenfalls nicht gerade frische Alpenluft versprühend, fahren mit ohrenbetäubendem Lärm in der Grube rum. Wenn ich das hier sehe, frage ich mich schon, was man immer auf den Privaten rumhackt, wenn es um Umweltschutz geht. Man sollte besser mal in der Industrie ansetzen. Schlechtes Gewissen hin oder her, einem Mann wird einfach warm ums Herz, wenn er diese grossen Männerspielzeuge in Action sieht. Erinnerungen an die Sandkastenzeit kommen hoch 🙂 Das ganze Spektakel hat den Zweck, das hier Eisenerz abgebaut wird, welches, als wir vorbeifuhren, gerade auf ein Schiff verladen wurde.

Die Brücke auf den Peloponnes

Zwischen Andirrio auf dem griechischen Festland und Rio auf dem Peloponnes wurde eine knapp 3 Km lange Schrägseilbrücke gebaut. Je nach Blinkwinkel ergeben sich wunderbare geometrische Formen. Leider war das Wetter so schlecht, dass ich die Kamera nicht rausnehmen wollte, als sich sehenswerte geometrische Formen gezeigt haben. Einen Schnappschuss der Brücke vom Hotel eigenen Strand aus konnte ich mir bei besserem Wetter trotzdem nicht nehmen lassen.

Hier ein Auszug aus Wikipedia

Die Rio-Andirrio-Brücke oder offiziell Charilaos-Trikoupis-Brücke ist eine Straßenbrücke in Griechenland über die Meerenge von Rio-Andirrio, die den Eingang zum Golf von Korinth bildet.

Adresse: Gefira Charilaos Trikoupis
Gesamtlänge: 2.880 m
Lichte Höhe: 52 m
Längste Spannweite: 560 m
Baubeginn: 1999
Architektonische Höhe: 164 m
Ort: Andirrio, Rio

Weisse “Schäfchen-Sträucher”?

In der Nähe von Nafpaktos sehe ich immer wieder weisse Wollfetzen an den Sträuchern entlang der Strasse hängen. Da wir gerade an einer Schaffarm vorbei gefahren sind, meine ich, eine Ladung Wolle wurde nicht gut gesichert und einen Teil hat sicherlich der Wind davon getragen. Die Wollknäuel haben aber immer so harte Partikel drin, komisch. Die Menge scheint mir dann doch etwas viel zu sein. Dann fahren wir an einem Feld vorbei, dass aussieht, als ob viele weisse Schäfchen an Büschen hängen. Wir halten an und inspizieren die Lage. Dieses Feld könnte immerhin vielen Schlaflosen helfen besser einzuschlafen, Schäfchen zu zählen gäbe es genügend 🙂 Wir wir rausfinden, handelt es sich hierbei ganz einfach um Baumwolle. Wir haben vorher beide noch nie Baumwolle gesehen und sind fasziniert davon. Die harten Teile im Wollknäuel sind die Samen, der Wind trägt sie mit dem Wollknäuel davon. Wieder haben wir etwas gelernt, Griechenland produziert auch Baumwolle.

Die weissen Pyramiden von Eratini

Ich erkenne auf dem GPS, dass wir nun an einem vielverzweigten Kanalsystem entlang radeln. Wir fahren vorbei an riesige Seen, welche gerade am Meer anliegen und nur noch einen Wasserpegel von ein paar Zentimeter Meerwasser haben. Plötzlich sehen wir ein Gruppe von Flamingos in ihrem zartrose Kleid, den Kopf unter Wasser haltend um nach Nahrung zu suchen. Ich wusste gar nicht, dass es hier in Griechenland diese schönen Wasservögel gibt. Wusstet ihr eigentlich, dass sie ihre Rosa Farbe dadurch erlangen, dass sie Schalentiere fressen und der darin enthaltene rote Farbstoff Karotin sie rosa färbt? Ohne diese Nahrung sind sie schneeweiss wie ein Schwan. Da kommt mir gerade der Song vom Schweizer "Star" Musiker Göla in den Sinn. "Ä Schwan so wiis wie Schnee". 🙂 Ein bisschen später sehe ich von weitem schon eine weisse Pyramide, da wird mir klar, es handelt sich hier um eine Anlage um Meersalz zu gewinnen. Man läss das Meerwasser in seichte Teiche fliessen und lässt die Sonne den Rest tun. Sie verdunstet das Wasser, zurück bleibt das Salz. Es muss natürlich erst noch richtig und mehrfach gereinigt werden, das Salz ist ersteinmal noch stark mit Schlamm verschmutzt.

Selbstbedienungsbuffet für Fischesser

Mir sind die roten Abdeckungen der Fischfarmen im tiefblauen ionischen Meer schon von Weitem aufgefallen. Mit dem Grün der Vegetation und dem Weiss der Wolken entsteht ein schöner Farben Mix. Witzig zu beobachten war, dass jede Menge Vögel, schätzungsweise eine Reiherart, auf den Ringen sitzen und sich gemütlich ab und zu einen Fisch aus dem prallvollen Becken schnappen, gerade wie an einem Selbstbedienungsbuffet… 🙂

Das nenne ich ein kompaktes Bad

Auf nicht einmal 2 qm wurden Toilette, Dusche und Lavabo untergebracht. Am besten immer erst auf Toilette gehen bevor man duscht, denn sonst ist alles nass gesaut. Einen Duschvorhang sucht man nämlich vergeblich. Wir nehmen es mit Humor, solche Toiletten hätten wir eher in Albanien erwartet.

Change the battery pack

Welcher Fotograf kennt sie nicht, die Angst vor dem rot blinkenden Batteriesymbol auf seiner Digicam, welches unmissverständlich zu verstehen gibt, dass es nun an der Zeit wäre, einen neuen Akku einzulegen. Meine Digicam hat die dumme Angewohnheit, dass sie den Füllstand immer als voll anzeigt und von den 3/3 – 2/3 – 1/3 Anzeigen nicht gebrauch macht. Nach 3/3 kommt gleich schon das rot blinkende 1/3 Symbol. Heute wollte ich einen riesigen Schwarm Stare fotografieren, der sich in der Luft fast wie ein eigenständiges Lebewesen bewegt. Bei jedem Richtungswechsel ist eine neue Farbe zu sehen. Einfach einmalig bei sowas dabei zu sein! Ich zücke die Kamera und möchte eine Filmaufnahme machen. Doch alles, was ich sehe ist die Meldung "Change the battery pack" (Bitte neue Batterie einlegen)…. Damn it…. Bis ich zur Lenkertasche gelaufen bin und den neuen Akku eingelegt habe, hat sich der Schwarm in Luft aufgelöst… wieder eine verpasste Chance… 🙁

Wir haben aufmunitioniert…

Wie ich schon ein paar Mal geschrieben habe, ist es hier in Griechenland ein permanentes Problem mit den freilaufenden Hunden. Warum muss auch jeder Grieche einen Hund haben und diesen dann frei rumrennen lassen? Auf jeden Fall, haben wir uns aufgerüstet. Neben dem bereits vorgestellten Budgetpfefferspray haben wir nun eine Aludose mit Steinen gefüllt, welche zur Lärmerzeugung und Abschreckung geworfen wird. Desweiteren haben wir einen 1 m langen Bambusstab sowie eine Steinschleuder (rechts am Lenker mit Klett befestigt), welche ich für 4 Euro 50 beim Strassenhändler gekauft habe. Viel mehr als 4 Euro ist das China Teil auch nicht wert, beim ersten Mal richtig spannen ist mir gleich der Gummi um die Ohren gezischt. 🙂 Wann immer wir eine kleine Pause mache, schiesse ich auf Ziele.. 🙂 Interessant ist, seit wir bis an die Zähne bewaffnet sind, kommen uns keine Kläffer mehr zu nahe. Bellen tun sie immer noch wie wild. Wahrscheinlich strahlen wir nun mehr Selbstvertrauen aus, und das merken die Flohbeutel.
Wenn die kleinen oder abgemagerten Hunde bellen ist es für mich in Ordnung, wenn dann aber die muskelbebackten Viecher Marke Rottweiler Strassenmischung wie blöde den Zaun entlang rennen, dann hoffe ich immer, dass der Besitzer das Tor auch wirklich geschlossen hat. Ansonsten wüsste ich nicht was machen, wenn das Tier zähnefletschend vor mir stünde. 🙁

Für einmal werden Oldie und Goldie chauffiert…….

Wie wir festgestellt haben, ist unser Griechenland Fahrradführer sicher schon über 13 Jahre alt. Er referenziert noch eine Fähre, welche 2001 abgeschafft wurde. Inzwischen gibt es von Preveza nach Aktio einen Tunnel, nur dieser ist für Fahrräder gesperrt. Was macht man in so einem Fall? Man fährt die Strasse entlang und wartet, bis die Leute vom Strassendienst einen erblicken. Dann wird man mit ihrem Auto inkl. Anhänger die gut 2 Km mitgenommen, das erst noch kostenlos. Wir sagen Danke und freuen uns über die "Gratis Kilometer".

Schafmilchprodukte zu Hauf

Hier in Griechenland kriegt man eine Vielzahl an Produkten aus entweder Schaf oder Ziegenmilch. Bei uns ist das Angebot eher klein und vor allem sehr teuer. So schlemmen wir hier nun so oft es geht von diesen Delikatessen. Den griechischen Joghurt, so richtig mit viel Fettanteil, und Honig kennt wahrscheinlich jeder.

Wir sind mit einem blinden Passagier unterwegs

Man glaubt es kaum. Wir halten an um die Getränke Bidons mit Wasser zu füllen. Als ich zum Anhänger gehe, schrecke ich zurück. Was ist denn das? Wow! Ein blinder Passagier. Wir taufen die kleine männliche Gottesanbeter Fangheuschrecke "Fangi". Dass er schon viel rumgekommen ist, sieht man an seiner gut gebräunten Farbe. Er dreht seinen dreieckigen Kopf zu mir und schaut mich mit seinen Facettenaugen an. Ich stelle mir vor wie er singt: "On the road again…." 🙂 Ich fahre los und er geniesst den Fahrtwind zwischen seinen Fühlern. Nach ca. 30 Min Fahrt verabschiedet er sich und lässt sich auf den Boden fallen. Zeit für ihn, ein neues Territorium unsicher zu machen und den bleichen, respektive hellgrünen Weibsbildern mal zu zeigen, zu was so ein gutgebräunter Gigolo alles fähig ist… erst noch kopfüber… 😮

Weltuntergang in Parga

Wie schon berichtet, bleiben wir wegen Regen und Erkältung insgesamt 3 Tage im Sunrise House, welches wir nur zum Einkaufen verlassen. Kochen können wir dank unserer mobilen Küche auf dem Balkon. Als wir beim Check-out mit der Vermieterin ins Gespräch kommen, erfahren wir, dass es in ganz Griechenland, vor allem aber in Piräus nahe Athen, sintflutartig geregnet hat und in der Gegend der Notstand ausgerufen wurde. Später werden wir wir Bilder im TV von in den Wassermassen treibenden Autos sehen. Sie meint dann in ihrem gebrochenen Englisch auch noch, dass es letzte Nacht ein Erdbeben in Griechenland gegeben hätte. All das und natürlich die Geschichte mit Ebola hat sie dann wohl dazu bewegt, uns eine ungewollte Kurzeinführung ins Buch der Offenbarung zu geben, um uns darüber zu unterrichten, dass es bald mit der Menschheit zu Ende sein wird. Zum Abschluss drückt sie uns noch eine Broschüre der Zeugen Johovas in die Hand mit der Bemerkung, diese zu studieren, unser Leben hinge davon ab. Ich habe ein "Hello, I'm Jan from Denmark" Flashback (siehe Beitrag vom 26.07.14) und bin froh, dass wir gehen dürfen. 🙂

Der Albtraum jedes Fotografen

Ich war bisher mit meiner kleinen Canon S100 Kamera sehr zufrieden. Die Fotos sind sehr schön, und ich habe meistens auch GPS Koordinaten zum Bild gekriegt, was es mir erlaubt, später das Bild dem Aufnahmeort zuzuweisen. Das ganze wird durch die Möglichkeit in RAW zu fotografieren und viele Einstellungen manuell vorzunehmen abgerundet. Seit einiger Zeit jedoch macht sie keine Bilder mehr, wenn ich den Auslöser drücke. Ich habe schon alles Mögliche versucht, ohne wirkliche Besserung. So kann ich leider einige gute Fotos nicht schiessen. Schnappschüsse gehen schon gar nicht mehr. Ab und zu lässt sie sich doch zu einem Bild überreden, nur das permanente fokussieren bis sie mal auslöst, leert den Akku im nu. Zum Glück habe ich 3 Akkus dabei, wenn sie jedoch nicht geladen sind, hilft das auch nicht wirklich weiter 🙂 Online Recherchen haben ergeben, dass ich nicht der Einzige bin mit diesen Problemen. Canon streitet jedoch ein generelles Problem ab. Jetzt bin ich etwas im Dillema, eine neue Cam kaufen (nur wo?) oder aber mit dieser weiter rumhampeln… ihr werdet es erfahren.

Wir geniessen die Aussicht von unserem Balkon in P…

Die Aussicht vom Balkon der Residenz ist wirklich gigantisch. Wir mussten sie uns jedoch verdienen! Wir haben via booking.com gebucht, da kriegt man auch immer schön einen Anfahrtsweg geliefert, welchen man z.B. mit Google Maps anzeigen lassen kann. Natürlich war just in der Minute mein Daten Roaming Abo alle, somit konnten wir die Karte nicht nutzen. Der leichte Regen, welcher seit kurzem eingesetzt hat, entspannte die Lage nicht wirklich. Auch hier sind die Strassen bei Regen glatt, als ob sie mit Schmierseife eingeseift worden wären. Wir fragen uns also durch, leider vergewissern wir uns nicht noch einmal, wie die Unterkunft heisst. Wir wissen Sun (Sonne) kommt im Namen vor. Wir fragen den ersten und werden zum "Sunshine Hotel" gelotst. Ich merke bald, dass das die falsche Seite im Städtchen ist. Das Haus muss am Strand stehen. Wir fragen noch einmal und werden zur "Sunset Lodge" geschickt. Doch auch das ist falsch. Wie wir bald realisieren, gibt es mehrere Unterkünfte mit Sun. Hätten wir uns ja auch denken können :-). Ich krame also nun doch mein iPhone aus der Tasche und vergewissere mich, wie das Haus nun wirklich heisst. Das ist manchmal schon komisch. Ein Blick aufs iPhone würde genügen und man(n) hätte Gewissheit, man hat aber dann auf einmal zur unpassendsten Zeit den Anspruch, nur mit der Kraft seiner grauen Zellen den richtigen Weg zu finden. Als wir dann endlich den Weg zu unserem Appartment dem "Sunrise House" in Erfahrung bringen konnten, bin ich schon wieder am "wettern" wie ein Rohrspatz. Warum mussten wir genau die Unterkunft aussuchen, welche in ganz Parga für Fahrräder am ungeeignesten ist? Wir müssen ersteinmal knapp einen Kilometer hoch fahren, und zwar zu den Ruinen der alten Venezianischen Burg. Oben angekommen, empfängt uns der Besitzer und führt uns eine steile und schmale Gasse nach unten. Die Räder und Schuhe rutschen, was in der angespannten Situation nicht wirklich hilfreich ist. Als er uns zu verstehen gibt, dass wir über weitere steile Treppen und schmale Gässchen gehen müssen, bin ich kurz davor die ganze Übung abzubrechen und irgendwo unten im Städtchen was zu suchen. Zum Glück haben wir die Strapazen auf uns genommen, die Aussicht entschädigt für vieles. Wie sich herausstellen sollte, bleiben wir hier gleich 3 Nächte. Zum einen wollte ich die ganze Mühe mit der Anfahrt nicht für nur eine Nacht betrieben haben, und zum anderen haben wir uns wohl beim Jeep fahren mit offenem Verdeck etwas erkältet. Wir gehen das Ganze auf jeden Fall langsam an, es ist noch nicht einmal Ende Oktober, und es gibt nur noch knapp 500 Km zu radeln. Wir liebäugeln mit dem Gedanken, zwei bis drei Wochen in Athen zu bleiben. Mal schauen, ob wir uns das leisten können 🙂

Das Vogelspanner Paradies

Das Sumpfgebiet von Koloni ist ein Paradies für die Volgelspanner, auch Ornithologen genannt. Es handelt sich hier um ein riesiges, überflutetes Gebiet, welches von einer Vielzahl von Vögeln bevölkert wird. Was nach einer gelben Wiese aussieht, sind Wasserpflanzen, welche den See bedecken.

On the (greek) road again….

Man merkt augenblicklich, dass Griechenland ein wohlhabenderes Land ist als Albanien. Die Landschaft sieht nach der Grenze natürlich noch sehr ähnlich aus. Jedoch fällt einem sofort auf, dass die Strassen in viel besserem Zustand sind und fast gar kein Müll mehr rumliegt. Das sagt uns als Velofahrer sehr zu. Da die Saison zumindest hier im Norden Griechenlands vorbei ist, sind die sonst stark befahrenen Strassen fast menschenleer. Das Wetter hat zum Glück gut mitgespielt, Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad sind die Regel. Leider wird ein Wetterwechsel mit kälteren Temperaturen, Regen und Wind angesagt.

Camping bei Igoumenitsa und die Lösung der verlore…

Langsam aber sicher müssen wir uns andere Übernachtungsmöglichkeiten als Camping überlegen. Wir sind heute Abend bereits beim ersten angestanden, der seit dem 15. Oktober geschlossen ist. Der Camping Elena Beach, den wir anschliessend angefahren sind, hat auch nur noch eine Woche offen. Ich habe also alle Profile bei warmshowers.org (Nur für Biker), airbnb.com und couchsurfing.org auf Vordermann gebracht, wir werden diese zusammen mit booking.com in Zukunft wohl etwas häufiger brauchen müssen.
Wir kommen also auf dem Camping Elena Beach schon fast im Dunkeln an und freuen uns darüber, dass man hier auch gleich noch was essen kann. Der Campingbesitzer ist ein witziger Kerl. Wir sagen, dass wir heute von Albanien angefahren sind. Er fragt nach: "Albanien?" Er schnüffelt und sagt: "Ab unter die Duschen..!" und lacht herzlich. Das Zelt ist nach über 100 Tagen campen schnell aufgebaut, und wir geniessen das feine Essen. Schon bald gehen wir müde ins Bett.
Wir haben uns den iPhone Wecker um 06:00 gestellt, so dass wir früh starten können. Der Wetterbericht hat seit laaaaangem wieder einmal Regen angesagt. Da wir unterdessen sonnenverwöhnt sind, wollten wir vor dem Regeneinbruch im Trockenen sein. Wir kommen am Morgen gut voran, das Zelt ist "furztrocken" und kann sofort verstaut werden. Als wir beim Frühstück sind, stehen immer mehr Leute auf und gehen zum Bad. Ich denke schon, dass das alles Frühaufsteher sind. Wir fahren gemäss iPhone um 08:30 Uhr los, neuer Rekord, und somit sollten wir zeitig ankommen. Als ich nochmals aufs GPS schaue, ist es 09:30! Hae? Und dann kam das: Ahhhhhaaaa. Jetzt erst erinnere ich mich an die Diskussion mit Ma. und Pe., dass die Uhr in Griechenland eine Stunde vorgestellt werden muss. Beim iPhone war die automatische Ermittlung der Zeitzone per GPS leider ausgeschaltet, somit sind wir effektiv erst um 07:00 Uhr aufgestanden 🙁 . Stockdunkel war es zu der Zeit aber noch, und wir hätten gar nicht viel früher starten können. Gebraucht haben wir trotzdem nur 2h 30, das ist und bleibt Rekord, falsche Zeitzone hin oder her 🙂

Sonnenuntergang hinter der Insel Korfu

Die Sonne geht hinter der nur gerade 3 Km entfernten und wohl jedermann bekannten griechischen Insel Korfu unter. Irgendwie kam mir das Ganze etwas komisch vor, ging die Sonne doch gemäss meinem iPhone fast eine 1h später unter. Ich hätte höchstens ein paar Minuten erwartet, da wir nun etwas südlicher sind. Am nächsten Morgen sollte ich Klarheit erlangen…

Griechenland, das Land der Tausend Mini Kirchen

Spannend, entlang der Strassen findet man immer wieder diese Miniaturkirchen. Manchmal findet man auch Opfergaben wie z.B. Honig oder Raki drin, dann auch wieder Portraitfotos. Vielleicht ist das die Art der Griechen einem Familenmitglied, welches bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, ein Denkmal zu setzen. Auf den Küstenstrassen von Slowenien, Bosnien und Kroatien haben wir unzählige Kreuze und Denkmäler tödlich verunfallter, meistens sehr junger Männer, gesehen.

Wir sind in Griechenland angekommen

Heute sind wir nun endlich in Griechenland angekommen. Wir haben uns mit Albanien viel Zeit gelassen und wollten auch noch das warme Wetter geniessen. Wie wir der Wettervorhersage entnehmen können, sollen die Temperaturen nun 5-10 Grad kälter werden. Vielleicht können wir nun endlich auch mal unsere warmen Kleider gebrauchen, ansonsten hätten wir diese ja vergebens mitgeschleppt 🙂 Leider war die Begrüssung in Griechenland, vor allem in Igoumenitsa überhaupt nicht nach unseren Vorstellungen. Es gibt nur schon in dieser Stadt mehr streunende Hunde als wir in gesamt Albanien erlebt haben. Wir wurden heute ein paar Mal von mehreren Hunden verfolgt. Das Schlimme dabei ist, dass sie sich gegenseitig anstacheln. Wir konnten aus der Ferne beobachten, wie zwei Hunde bellend und Zähne fletschend auf einen FUSSGÄNGER zugerannt sind. Dieser hatte einen gehörigen Schock. Normalerweise greifen sie nur Velofahrer an. Sobald wir also eine Hundemeute erblickt haben, sind wir vom Velo abgestiegen und ich habe den Budget-Pfefferspray in die Hand genommen, um gleich lossprühen zu können. Als es dann auch noch langsam dunkel wurde, hatten wir es sehr eilig eine Unterkunft zu finden.

Bye Bye Albanien

Wir verlassen heute Albanien mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vorallem M. fühlte sich in Albanien etwas unfrei. Sobald wir die Grenze überschritten haben, hat sich der Zustand schlagartig verbessert. Allerdings möchte ich betonen, dass alle Bedenken, welche wir gegenüber Albaniens Bevölkerung hatten, sich als falsch herausgestellt haben. Die Menschen hier sind in aller Regel sehr herzlich. Wir haben uns z.B. in einem Dorf nach dem Weg erkundigt, da kam ein Mann aus dem Garten und hat uns zwei Granatäpfel überreicht. Oder ein anderes Mal sind wir am Gemüsemarkt einkaufen gegangen, und der Verkäufer gab uns noch extra Gemüse gratis dazu. Auf dem Weg von Mamminas zum Kap Rodon sitzen wir in einem Kaffee und geniessen unseren "Express", als der Kellner vorbei kommt und meint, der Mann von nebenan hätte unseren Kaffee bezahlt. Es heisst, dass sich viele Albaner am sogenannten "Kanun", einem archaischen und mündlich übermittelten "Gewohnheitsgesetz" orientieren, in dem die Ehrenstellung des Gastes betont wird.
Abschliessend können wir sagen, dass uns das Land und die Menschen begeistert haben, lediglich mit den streunenden Hunden und dem Müll hatten wir unsere liebe Mühe.

Butrint, eine Ausgrabungsstätte mit UNESCO Weltkul…

Fast hätten wir das letzte Highlight Albaniens verpasst: Butrint, die Ruinenstadt 20 Km südlich von Sarandë. Wir waren so auf die am gleichen Ort verkehrende Pontonier Fähre fokussiert, dass wir den unscheinbaren Eingang nicht gesehen haben. Zum Glück war die Fähre gerade losgefahren, und so kamen wir mit einem jungen Albaner ins Gespräch. Der meinte, er habe gerade Butrint besucht und zeigt hinter uns auf eine Parkanlage. Erst konnte ich es gar nicht glauben, doch er hatte recht. Wir machten also rechts umkehrt und verbrachten die nächsten 3 Stunden mit dem Bestaunen von Ruinen. Butrint zählt heute zu den beliebtesten Touristenzielen Albaniens, da war es gut, dass wir so früh dort ankamen. Wir waren wiedereinmal praktisch alleine bei einer Sehenswürdigkeit. Als wir das Gelände verlassen hatten, warteten sicher ein dutzend Busse, welche vorallem englisch sprechende Touristen abgeladen haben.

Syri i Kaltër, “Blaues Auge”, der Haaaammmmer

Die Karstquelle mit dem passenden Namen "Blaues Auge" zählt mit 6 m3/s zur wasserreichsten Quelle Albaniens. Das Wasser hat lediglich 10 Grad, was jedoch die Urlauber zumindest im Sommer nicht davon abhält, von der Aussichtsplattform reinzuspringen. Vor dem Hintergrund des hellen Kalksteines hat das Wasser im Sonnenlicht eine tiefblaue Farbe, was ihr auch den Namen verleiht. Das die Quelle umgebende Schutzgebiet ist mit seinen Platanen- und Eichenhainen sehr mystisch.

Zum letzen Mal Sex bevor er stirbt?

Bei der albanischen Ausgrabungsstätte Antigonea habe ich einige Gottesanbeter Fangheuschrecken gesehen. Hier in Albanien gibt es besonders viele. Eine hatte gerade ein Gelege fertiggestellt und sich aus dem Staub gemacht; die anderen waren mitten in der Aktion Nachwuchs zu produzieren – und das erst noch über Kopf hängend. Ob das wohl den nötigen Kick vermittelt? 🙂 Wie man sehen kann, ist das Männchen viel kleiner als das Weibchen. Die unterschiedliche Farbe schein keine Rolle zu spielen, zur Paarung kam es trotzdem. Es scheiden sich die Meinungen, ob das Weibchen das Männchen nach der Befruchtung verspeist. Es gibt wohl beides. Hoffen wir mal, dass dieser Kerl verschont geblieben ist 🙂

Die beindruckende Burganlage von Gjirokastër

Die Burganalage von Gjirokastër hat wirklich etwas Mystisches. Im Hintergrund sieht man den Glockenturm und im Vordergrund eine Veranstaltungsbühne, welche im Jahre 1984 erbaut wurde. Dem Zustand dieser nach zu urteilen, könnte sie aber genau so alt sein wie die Burg. 🙂 Im Hintergrund sieht man eine beeindruckende Bergkette. Albanien ist wirklich bergig…

Ein Fiat Panzer… das muss wohl ein Witz sein

In der Burg Gjirokastër sind u.a. viele Kanonen und Geschütze ausgestellt. Bei diesem Exponat handelt es sich um einen Leicht Panzer von FIAT, ja genau, der italienische Automobilhersteller FIAT. Von dem L6/40 wurden zwischen 1941 und 1943 nur gerade 283 Stück gefertigt. Ich musste beim Anblick etwas schmunzeln. Da kann man ja gleich mit einer Seifenkiste und einer "Käpseli-Pistole" in den Krieg ziehen 🙂 In diesem fahrenden Sarg haben zwei Personen Platz gefunden. Muss wohl für die kleinen Italiener gebaut worden sein; der Platz ist minimal. Dieser Panzer scheint mir also mit seiner 20mm Kanone nur gegen Kugeln eine Sicherheit zu bieten. Bei Granaten bietet er ebenso wenig Schutz wie ein Fiat Panda bei einem Frontalaufprall mit einem 40 Tönner…

Zwei Tage mit dem Jeep durch Albanien

Wir haben uns, wie früher schon einmal erwähnt, den Albanien Führer von hobo-team.de besorgt. Martina und Günther durften wir nun gestern in Ksamil persönlich kennenlernen. Es war ein sehr herzliches aufeinander treffen. Sie haben uns eine Zwei-Tages-Tour durch Albanien mit einem Jeep organsiert. Ok, es ist nicht wirklich ein Jeep sondern vielmehr ein "Jeeplein", aber das reicht vollkommen, um M. bereits an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Ich geniesse es natürlich mit dem 4×4, übrigens mit Geländeuntersetzung, auf den albanischen Landstrassen rumzukurven. Wir suchen also eine Sehenswürdigkeit, als M. plötzlich damit droht, nur noch zu Fuss weiterzugehen. Es wird ihr langsam zu viel. Die Strasse ist wirklich schlecht, und ich bin froh immerhin einen Mini-Jeep zu haben. Just in diesem Moment kommt ein Albaner mit seinem NORMALEN und sicher 20-jährigen Mercedes Benz um die Kurve "ge-eiert". Er sieht unser Auto, sieht die Werbung des Autovermieters und weiss augenblicklich, die haben sich verfahren. 🙂 Er verhilft uns wieder auf den richtigen Weg und gurkt mit seiner Feinstaubschleuder weiter die "bumpy road" entlang. Ich schaue ihm ungläubig nach und lobe die deutsche Wertarbeit, welche zumindest zu der Zeit bei Mercedes Benz geleistet wurde. Es wird noch besser. Auf der Rückfahrt kreuzt uns ein uralter Mercedes Benz LASTWAGEN. Ich glaube ich spinne und muss das als Video festhalten. Im ersten Gang, unter Ausstoss von Unmengen an pechschwarzem Dieselrauch kämpft er sich die Strasse hoch, welche definitiv nicht für PWs gedacht ist. 🙂

Das Carthago Schlachtschiff

Dass es in diesem 4.5 Tonnen schweren und fast 7.5m langen Wohnmobil Chic Line der Firma Carthago sehr gemütlich ist, kann man ziemlich sicher auch schon von aussen erkennen. 🙂 Die Dimensionen sind gewaltig. Es geht soweit, dass selbst ein virtueller Hund im Inneren zur Abwehr von Langfingern bellt, inklusive dem auf der Fahrerseite ersichtlichen "Warnung vor dem Schäferhund" Schild. Hier drin durften wir jeweils unseren Gute-Nacht Kaffee geniessen.

Einbrecherschutz auf Albanisch

Immer mal wieder sieht man Glasscherben auf den Mauern, um die Grundstücke vor möglichen Langfingern zu schützen. Zuvor hatten wir diesen unerbittlichen Schutzmechanismus in Madagaskar beobachtet, kann mir aber vorstellen, dass es auch noch in anderen Ländern usus ist.

Erhohlsame Tage auf dem Camping Kranea bei Himare…

Wir geniessen ganze drei Tage hier auf dem Camping Kranea in Himare. Ich kuriere mich etwas vom verstimmten Magen aus und M. geniesst das Bad im Meer. Es ist ca. 25 Grad warm und die Sonne scheint. Wir kommen mit vielen Campinggästen ins Gespräch, die meisten sprechen deutsch. Mit Ma. und Pe. unterhalten wir uns besonders gut und geniessen die nächsten zwei Abende den Dessert (deutsche Süssigkeiten in bio-Qualität…da ist M. nicht mehr zu halten) ihn ihrem "Carthago Wohnmobil Schlachtschiff". Sie bieten uns an, unser Gepäck von Himare bis nach Ksamil mitzunehmen. Wie nett!!! Wir nehmen dankbar an und fühlen uns geschmeichelt, dass unsere Taschen von einem Mobil 1. Luxusklasse transportiert werden. Der Weg, 70 Km und 1300 Höhenmeter ist ziemlich beschwerlich und die Sonne brennt unerbittlich herunter. M. klagt über Kopfschmerzen. Kurz vor dem Eindunkeln kommen wir auf dem Campingplatz an. Mit Gepäck hätten wir es wohl nicht geschafft.
An dieser Stelle ein grosses DANKESCHÖN an Ma & Pe für das gesamte Verwöhnprogramm 🙂

Yippiiiiieee…. wir haben den Llogora Pass bezwun…

Schon vor Beginn unserer Reise haben wir über den Llogara Pass in Albanien geredet und diesen gefürchtet. Wir hatten mächtig Respekt, auch bei Gesprächen hier in Albanien wurde immer wieder erwähnt, wie schwer es mit dem Rad sein wird. Der Pass geht immerhin von Meereshöhe bis auf 1027 MüM hoch und das ohne Gnade und Verschnaufpause. Als wir überglücklich oben angekommen sind, resümieren wir. Der Pass ist dank monatelangem Training nicht wirklich eine Herausforderung gewesen. Die Fahrräder mussten wir lediglich einmal stossen, um uns vor einem streunenden Hund zu schützen. Ein forsches und lautes Auftreten sowie ein Steinwurf meinerseits hat den Hund das Weite suchen lassen. Ich hatte mir am Vortag irgendwie den Magen verdorben (Rache des Zickleins?) und bin ohne Frühstück und geschwächt den Pass hoch. Aber auch das ging. Die Fahrt runter war herrlich, die Aussicht ein Traum. Leider haben wir die Strecke nach dem Pass etwas unterschätzt, es ging immer noch rauf und runter. So kamen wir einmal mehr auf ca. 1300 Höhenmeter. Ich dachte unterwegs ein paar Mal, dass ich es nicht mehr bis Himare schaffen werde. Am Ende hat es dann trotzdem geklappt – Ende gut, alles gut 🙂

Der Anstieg zum Llogora-Pass oder eine Kuh hinter…

Hier ist M. im Anstieg zum Llogora Pass, welcher von Meereshöhe auf 1027 MüM hochgeht. Wie in der Ferne zu sehen, muss man in Albanien mit allem rechnen. Zum Beispiel einer Kuh, welche seelenruhig mitten in der Strasse nach einer unübersichtlichen Kurve am wiederkauen ist. Da kann ich es noch weniger verstehen, dass gewisse Individuen wie Michael Schumacher den Pass hochrasen.

Ein albanisches Mittagessen

Auf dem Bild zu sehen sind ein gemischter Salat, feinstes Zicklein-Fleisch, Kartoffelschnitze, gebratene Peperoni und Zuchetti, Spinat Burek, getoastetes Brot und irgend eine undefinierbare Masse, welche aber ziemlich gut geschmeckt hat. Und ja, wir haben alles gegessen 🙂 .

Zugfahrt von Durrës nach Vlorë

Wir haben gestern Nacht zum ersten Mal mit warmshowers.org übernachtet. Eine Art Couchsurfing, jedoch nur für Fahrradfahrer. Wir haben so Alexander und seine kleine Familie in Durrës kennengelernt. Sie sind Deutsche Missionare und bieten ihre Couch für Fahrradfahrer an. Zum Glück wurden wir angenommen, haben wir uns doch erst kürzlich für Warmshowers registriert und hatten noch keine Referenzen. Leider gibt es in Albanien nur 2 Warmshowers Stationen, dementsprechend kriegt er viele Anfragen und unsere Zusage ist noch höher zu werten. 🙂 Wir haben bei ihnen viel über Albanien und ihre Mission erfahren. Er war es dann auch, welcher uns auf den Zug von Durrës nach Vlorë aufmerksam machte. So fahren wir nun mit einem Zug, der wegen der schlechten Schienen und Waggons nur ca. 30 Km/h fahren kann, in ca. 5h nach Vlorë. Was für ein Abenteuer! Alle Türen stehen offen, hinten könnte man glatt zum Zug rausfallen, die Türe fehlt komplett. Die alte Diesellok hupt praktisch jede Minute ohrenbetäubend, da es nur sehr wenige Bahnschranken gibt. Dafür hat die Fahrt nur gerade 800 – 900 LEK gekostet, also ungefähr 10 CHF für alles, und die Erfahrung war es auf jeden Fall wert! Die Schaffnerin nahm ihren Job sehr ernst, wir mussten im Zug für die Anhänger nachzahlen. Im deutschen Nachtzug hat die Schaffnerin noch ein Auge zugedrückt…

“Schuh Bar” Strandkunst

Was macht Man(n), wenn es langweilig wird am Strand? Man spielt mit dem allgegenwärtigen Müll. 🙂 Wie uns von einem deutschen Diplomaten erzählt wurde, landet der Müll leider sehr oft im Meer. Albanien hat kürzlich für Italien eine Müllentsorgungsauftrag angenommen. Wo der Müll nun wirklich landet, könnt ihr euch denken. Am Strand sind z.B. "Borotalco" Flaschen, ein italienisches Produkt zu finden. 🙁

Budget Pfefferspray

Wegen den streunenden Hunden, wollten wir uns eigentlich auf die Reise einen Pfefferspray mitnehmen. Leider haben wir diesen vergessen und uns erst in Villach/ Österreich wieder daran erinnert. Als wir an der Touristeninfo in Villach danach gefragt haben und das während dem Harley Davidson Treffen, wurden wir etwas komisch angeschaut. Zu kaufen gäbe es aber, zumindest offiziell, keinen. Wir haben die Thematik mit dem "100 Euro Schweizer" (siehe Beitrag vom 07.10.14) besprochen. Er meinte er benutze immer einen WD 40 oder Scheibenbremsenreinigerspray. Diese Idee haben wir aufgegriffen. Wir haben Scheibenbremsen, welche ab und zu gereinigt werden wollen. Für knapp CHF 5 habe ich diesen in Skhodër erworben. Wenn man die Warnhinweise liest, wäre es einem für das Tier fast lieber, man hätte einen richtigen Pfefferspray dabei. Den Spray habe ich mit einem am Strand gefundenen grünen Fischernetz nun auf meiner Lenkertasche montiert. Auch kam er schon einmal zum Einsatz, zum Glück nur als Abschreckung. Ein Hirtenhund hat M. angefallen, dankbarerweise hat er vor ihrem Bein halt gemacht, als wir bei einer Schafherde vorbeigefahren sind.

Wilde Landschildkröten beim Kap Rodon

Auf dem Weg zum Kap Rodon – man muss bei den ungesicherten Passagen entlang der Steilküste schwindelfrei sein – gibt es keinerlei Sicherung und man muss sich durch Büsche und Dornen zwängen. Wir haben auf dem Steg eine schwarze Schlange und Landschildkröten gesehen. Bei der ersten Schildkröte vermutete ich, dass sie dort ausgesetzt wurde. Beim weiteren darüber nachdenken wurde mir jedoch bewusst, dass sich sicherlich kein Albaner eine Schildkröte kauft, und sie wahrscheinlich eher isst als aussetzt. 🙂 Als wir dann die zweite und dritte angetroffen haben, wurde klar, dass diese hier heimisch sind.

Unser Hilleberg, ein Schneckenparadies

Irgendwie ist unser Zelt, vorallem wenn es feucht ist, ein Paradies für Schnecken. Nirgends sonst kommen sie so schnell vorwärts wie auf dem feuchten Zeltstoff. Man kann sie runternehmen, kaum hat man sich umgedreht, sind sie schon wieder einige Zentimeter hochgekrochen. 🙂 Wer den Cartoon "Turbo" noch nicht kennt, sollte sich den mal anschauen. Passt ganz gut zur Thematik.

Kap Rodon

Wir haben beim Kap Rodon einen wunderschönen Platz zum wild campieren gefunden, wie er uns vom hobo-team.de Team, den Verfassern unseres kleinen Albanienführers, empfohlen wurde. Wie wir später feststellen mussten, war der Ort leider gerade am Weg, welcher zur Skanderbeg Ruine und zum Kap Rodon führt. Ebenfalls wussten wir bis dahin noch nicht, dass der Hirte jeden Abend und Morgen seine Herde bei uns vorbei treibt. M. war beim Zelten nicht sehr entspannt, fragte doch jeder Zweite, welcher an unserem Zelt vorbei lief, was die Fahrräder kosten würden. Als dann der Hirte am letzen Abend noch frech 5 Euro wollte – ich habe ihn freundlich jedoch bestimmt abgewiesen – war es vorbei mit ruhig schlafen. Ich bin gerade am Zähne putzen, es ist schon dunkel, da sehe ich Autoscheinwerfer, welche sich zu uns bewegen. Der Weg ist eigentlich nicht befahrbar, die Strassen haben so tiefe Löcher, dass man ein Kind darin verlieren könnte. Ich sage also M., dass ich die Scheinwerfer sehe, und schon sehe ich sie nicht mehr. Sie hechtet praktisch in das Zelt, holt alle unsere Wertsachen raus und versteckt sie schnurstracks in einer Dornenhecke. Sie denkt sich, dass der verärgerte Hirtenjunge mit Verstärkung im Anmarsch ist und nun mehr als seine 5 Euro möchte. Als sie wieder zurück ist, hat sie den selbstgemachten Pfefferspray und mein grosses Jagdmesser in der Hand. Zum Glück kam weder das eine noch das andere zum Einsatz, es waren lediglich ein paar Jugendliche, welche Party machen wollten und sich mit dem Weg verschätzten. Sie mussten mit dem PW rückwärts wieder rausfahren, da nichts mehr ging. Zum Glück schätzen Albaner das Laufen weniger, so gab es keine Disco auf unserem Berg. Am nächsten Morgen sind wir dann aber weitergefahren.

Das Bunkerparadies von “Enver Hoxha”

Albanien ist dafür bekannt, dass es ungefähr 700'000 Bunker während der Amtszeit von Enver Hoxha errichtet hat. Diese sind vielerorts noch zu sehen. Einige wurden umgenutz, als Stauräume oder zum Beispiel als Viehstall wie der Bunker ganz links. Hier zu sehen eine Bunkerinstallation beim Kap Rodon, welche fast schon etwas Inca mässig aussieht.

Ist das wirklich Trinkwasser?

Bei der Kirche am Kap Rodon soll es anscheinend eine Süsswasserquelle geben. Wir filtrieren also, was das Zeug hält, und fahren zurück zum Camp. Als wir an den PET Flaschen riechen, wird uns fast schlecht. Ich fühle mich in den Chemieunterricht während meiner Schulzeit zurückversetzt. M. meint, es rieche nach Schwefel. Ich koche das Wasser also noch gut 10 Minuten. Was nach dem Abkühlen übrigbleibt, sieht man auf dem Foto. Eine gelbliche Substanz. Wie wir später von einem Albaner erfahren, ist es lediglich ein sehr hoher Eisenanteil, der dem Wasser den etwas unangenehmen Geruch verleiht. Wir benutzen das Wasser auf jeden Fall nicht zum Trinken sondern kaufen im Restaurant teures Wasser aus PET Flaschen.

Hochzeitsfotos mit Oldie und Goldie

Wir sitzen an einem Aussichtspunkt und wollen gerade unser Mittagessen zu uns nehmen, da tauchen zwei Autos auf und halten neben uns. Aus steigt ein Brautpaar mit Fotograf. Dieser sieht in unseren Bikes gleich ein originelles Foto und die Braut fragt auf Englisch, ob sie mit den Bikes ein Foto machen dürfen. So entsteht nicht nur ein spezielles Foto für sie sondern auch für uns. 🙂

Eiertransport auf Schweizer Art

In einem kleinen Supermarkt haben wir uns mit 10 Eiern eingedeckt. Wer denkt, dass man hier Eierkartons kriegt, der irrt sich. Die Eier wurden einfach so in eine Plastiktüte gesteckt. Um diese dann auf dem Fahrrad und auf albanischen Strassen zu befördern, natürlich alles andere als eine gute Idee, ausser man möchte nach Ankunft einfach den ganzen zermatschten Inhalt des Sackes gleich in eine Bratpfanne geben und braten. 🙂 Ein Albaner hatte Mitleid, als er unsere Eier und die Fahrräder gesehen hat und hat uns ein riesiges Pack Servietten geschenkt. Ob sie zum Polstern oder zum Aufwischen der Sauerei gedacht waren, wissen wir nicht. 🙂
Ich habe mich also hingesetzt und einen super Eiertransporter aus Abfällen gebastelt, welche ich gefunden habe: einem Schokoriegelkarton und einem alten Eierkarton…

Auf der Autobahn ausgesetzt…

oder so ähnlich haben wir uns gefühlt, nachdem wir in Mamminas angekommen sind. Vorher haben wir uns am Bushof in Lezha nach einer Mitfahrmöglichkeit erkundigt und wurden mit einem Kleinbus fündig. Wir wussten, dass wir so mit 1000 LEK rechnen müssen. Der Mann, welche die Preise festlegt (diese sind zumindest für die Touris variabel), wollte gleich mal 10 Euro. Das übliche hin und her Spiel hat begonnen, und wir sind bei 5 Euro eingestiegen. Oldie und Goldie sowie die Anhänger wurden alle etwas unsanft in einen viel zu kleinen Gepäckraum gestopft. Als dabei ein Teil abgebrochen ist, welches vom Helfer sofort eingesammelt und in den Laderaum geschmissen wurde, ist mir fast das Herz in die Hose gerutscht. Die ganze Fahrt über habe ich mich gefragt, ob ich das wohl wieder reparieren könnte. Wie sich herausstellen sollte, ist nun auch noch die zweite Klingel vom "Slow Up" futsch gegangen. Uff. Also alles nicht so schlimm. Wir dachten jedenfalls, wir werden schön am Bushof in Mamminas abgeladen. Dies ist aber Albanien, da wird man, zumindest wenn man nicht bis zur Endstation fährt, einfach an der Autobahnausfahrt ausgeladen. Auch da gabs dann nochmals etwas Stress mit dem Geldmacher, als er plötzlich meinte, es wären 5 Euro pro Person gewesen. Wir wurden stur, er musste weiter, so haben wir im Endeffekt doch nur 1000 LEK bezahlt.

Volkssport der Albaner

Raki brennen. Wir checken bei einem Familienhotel ein und kommen mit dem Besitzer, einem Albaner, ins Gespräch. Er lebte 10 Jahre in der Schweiz und war mit einer Bernerin verheiratet. Es muss für ihn eine schlimme Zeit gewesen sein, so erzählt er uns. Stundenlange Spaziergänge am Sonntag mit seiner Frau, gemeinsames Abwaschen usw., das hat seine Ehre verletzt. Alles was er wollte war, mit seinen Kollegen (natürlich ohne Frau) im Kaffee sitzen und Frauen nachschauen. "Weisch, ich Albaner, ich muss Fraue schaue"… 🙂
Auf jeden Fall treffen wir nach und nach seine ganze Familie, inklusive junge albanische Frau. Die Oma schliesst uns gleich ins Herz und zeigt uns, was der Herr des Hauses so treibt. Wir gehen also rüber in den privaten Teil und dort in einen kleinen Schuppen, aus dem es verdächtig qualmt. Als wir drin sind, sehen wir einen älteren Herrn im Unterhemd, wie er gerade nach dem
Holzfeuer schaut. Er ist am Raki brennen, einem Volkssport aller Albaner. Ich zeige mich interessiert an der Apparatur und am Schluss schenkt uns die Oma aus einem 8L PET Wasserkanister ein ganzes Glas voll 42% Raki ein. Wir trinken den noch warmen Raki – er schmeckt übrigens vorzüglich nach Trauben – nur zur Hälfte, wir müssen am nächsten Tag ja noch Rad fahren können.

Die Albaner, ein Volk von Wäschern

Es ist unglaublich, wie viele Autowaschmöglichkeiten es in diesem Land gibt. In jedem kleineren Ort gibt es ein Möglichkeit, sein Auto zu waschen. Alles was es im einfachsten Fall dafür braucht, ist ein Behälter mit Wasser drin, den man in die Höhe stellt und einen Schlauch dran macht. Dann stellt man ein Schild auf und schreibt "Lavazha" drauf und fertig ist die Autowäsche. Da gibt es natürlich nach oben fast keine Grenzen. Den Hochdruckreiniger findet man auch schon recht oft im Einsatz.
Wie wir im Gespräch mit einem Bauernpärchen am Markt erfahren haben, waschen sie nicht nur Autos sondern benutzen z.B. ihre Restaurants am Meer um etwas anderes zu waschen 🙂
Wir kamen leider zur Erkenntnis, dass die Albaner ohne Problem ihren Mercedes auf Hochglanz polieren können; am Abfall, der sich aber neben dem Auto stapelt, daran stört sich keiner. Ich erwähne das nur einmal, dann werde ich mich nur noch auf die schönen Sachen konzentrieren. Albanien hat definitv noch ein Problem mit dem Abfall. Wir sahen uns nach Madagaskar zurückversetzt, wo die Bevölkerung den Umgang mit dem Plastik noch nicht gelernt hat. Sehr viele Gewässer sind mit Plastik verschmutzt, am Strassenrand findet man ebenfalls sehr viel Müll. Immerhin gibt es Bemühungen, denn Müll zumindest mehr oder weniger am gleichen Ort wegzuwerfen, wo ihn dann jemand einsammeln geht.

Traditioneller Albanischer Lastenträger

Schweissgebadet steht das wohl älteste Lastentier in einer Kurve und wartet, bis es weitergeht. Zu bedienen ist es einfacher als ein Auto. Der Besitzer schlägt einfach mit einem Stock und schon bewegt es sich ohne Kuppeln und Gas geben. Wenn man die albanischen Fahrkünste anschaut, denke ich oft, wären sie doch bei Esel und Karren geblieben, es gelten nämlich noch die gleichen Verkehrsgesetze, wie damals. KEINE. Jeder fährt mehr oder weniger, wie es ihm gerade passt. Die Schilder bieten höchstens einen Anhaltspunkt.. 🙂 Je grösser das Auto und je verbeulter es ist, umso mehr Vortritt wird ihm gewährt, denn der kann ja was austeilen. 🙂

Die Moschee “Ebu Bekr” direkt vor unserem Hotelzim…

Unser Hotel liegt am Platz der Demokratie "Sheshi Domakracia". Und genau nebenan befindet sich die Moschee "Ebu Bekr", in ihrem Baustil an die Hagia Sofia in Istanbul erinnernd. Sie bietet Platz für 1300 Gläubige. Als wir es uns im Zimmer gemütlich machen, die Sonne legt sich soeben schlafen, steht der Muezzin auf und ruft die Gläubigen zum Abendgebet. Der Gesang dieses Muezzin ist wirklich einmalig schön. Es stört mich auch nicht gross, als er am nächsten Morgen beim Sonnenaufgang nochmals Allah anpreist.

Die Geschichte, wie wir zu 100 Euro kamen

Wir sitzen einige Kilometer nach der albanischen Grenze im ersten Café, in welchem wir mit Euro zahlen können. Wir trinken also zwei "Café Express" für 100 Lek, umgerechnet ca. CHF 1.20. Auf einmal bemerkt M. einen grünen Bus, welcher auf der Strasse wendet und rückwärts einparkiert. Es ist ein Schweizer mit AG Nummer, genauer aus Oftringen. Ein gut gebräunter älterer Herr in kurzen Hosen und dem Schalk in den Augen steigt aus und kommt an unseren Tisch. Wir kommen ins Gespräch und er setzt sich zu uns. Er ist alleine unterwegs und hat unsere Fahnen an den Fahrrädern gesehen und musste einfach anhalten. "Schweizer mit Fahrrädern trifft man in Albanien nicht all zu oft" meint er. Wir erzählen ihm über unsere Tour, und er stellt interessiert Fragen. Es stellt sich heraus, dass er selbst auch schon weit herumgekommen ist. Im Moment ist er mit einem umgebauten Mercedes Sprinter unterwegs. Was uns aufhorchen lässt, ist, dass er sich mit 50 und seine Frau mit 47 haben pensionieren lassen. Hallo? Das ist unser Plan ;-), und dieser Mann hat es einfach gemacht. Wie genau können wir nicht herausfinden, die Details hütet er, wie das Geheimnis des heiligen Grals. Er meinte schon, dass es knapp wird. Als er erzählt, dass er einen neuen Töff gekauft hat, und der Mercedes 86'000 Euro gekostet hat, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir nehmen an, dass er nicht von dem Ersparten bis 50 lebt. 🙂 Er ist nett und lädt uns zum Kaffee ein und geht bezahlen. M. geht zur Toilette, als er vom Zahlen zurück kommt und mir einen Schein unter die Nase hält. Ich denke schon, dass er mir einen 200 LEK Schein schenken will, da wir auch darüber gesprochen hatten, dass wir noch keine LEK wechseln konnten. Als ich sehe, dass es 100 Euro sind, stockt mir kurz der Atem, und ich sage, dass ich das nicht annehmen kann. Er meinte, dass er sich so gefreut hätte uns zu treffen, dass er uns gerne einmal eine entspannte Busfahrt gönnen möchte. Es geht ein bischen hin und her, ich will nicht, er versteht nicht warum, bis ich schliesslich einwillige und mich herzlich bedanke. M. kommt raus und wir bestaunen gegenseitig unsere Gefährte. Darauf verabschiedet er sich und wünscht uns weiterhin eine gute Reise. Als ich M. die Note zeige, fallen ihr auch fast die Augen raus. Wir bedanken uns noch einmal in Gedanken bei ihm und fahren in Richtung Shkodër.