Wir fahren runter vom Berg und halten kurz an, um zu beraten, wo wir jetzt hinfahren, damit wir nicht auf die Autobahn gelangen. Wir werden dabei von einem Griechen in erstaunlich gutem Deutsch angesprochen. Er erzählt uns, dass seine Mutter Österreicherin ist und sein Vater Grieche, und er deshalb Deutsch spricht. Wir fragen ihn nach dem Weg nach Athen, er meint wir sollen ihm nachfahren. Er trifft sich mit einem Freund im Kaffee, der die Gegend gut kennt. Der Freund erklärt uns den Weg, wir bedanken uns bei Beiden und düsen los. Als wir an der besagten Kreuzung ankommen, ist es die Abzweigung auf die dreispurige Autobahn nach Athen. Na suuuper. Der Dödel hat wohl nicht kapiert, dass unsere Fahrräder keine Motorräder sind. Wir suchen selber vergebens nach einem Weg und kommen wieder zur Autobahnauffahrt. Ich frage einen Automobilisten, der gerade in sein Auto einsteigt, ob es erlaubt sei mit dem Fahrrad auf der Autobahn zu fahren. Er weiss es nicht, meint aber eher nein. So stehen wir da und wissen nicht weiter. Da hält neben uns ein Polizeiauto. Was für ein Glück. Der Polizist meint, es sei nicht erlaubt, er wisse aber auch nicht, wie wir mit dem Fahrrad nach Athen kommen. Wir sind natürlich enttäuscht. 🙁 So machen wir uns auf, einen anderen Weg zu verfolgen, welchen M. auf der Karte gefunden hat. An einem Kiosk sehe ich einen Rennradfahrer und frage zum dritten Mal nach dem Weg. Wer sagt nochmals, dass nur Frauen nach dem Weg fragen. 😉 Er bietet uns gleich von seinen getrockneten Mangos an. Wie nett. Er meint, dass er uns den Weg nach Athen zeigen wird, er möchte auch nach Athen rein. Als er sich dann beim Kioskverkäufer nach dem Weg erkundigt, schaue ich M. schon etwas fragend an. Hat er nicht gerade gesagt, dass er den Weg kennt? Ich ahne Schlimmes und entschuldige mich bei ihr, nicht ihren Weg gefahren zu sein und erneut nach dem Weg gefragt zu haben. Wir fahren also im Schlepptau von V. in die Richtung, welche er vom Kioskverkäufer erfahren hat. Ich sehe auf dem GPS, dass wir auf dem gleichen Weg zurück sind. Hmmm. Vielleicht hat er ja genau die Strasse erklärt bekommen, welche wir nicht gefunden haben. Als wir wieder an der grossen Kreuzung mit dem Abzweiger auf der Autobahn stehen, könnte ich mir echt eine scheuern. Wir erklären ihm, dass wir hier bereits einmal waren und es nur die Autobahn gibt. Er meint nur: "Aha.. " und schaut alle Wegweiser an. Wir fahren ersteinmal über die Kreuzung, um uns zu beraten. Da kommt ein Radrennfahrer von der Autobahn runter gebraust und wartet am Lichtsignal. V. redet kurz mit ihm und meint dann, wir können ohne Probleme auf die Autobahn und düst los. Meinen Protest höre nur ich… so fahren wir zum x-ten Mal auf unserer Reise mit dem Fahrrad auf einer Autobahn. Einem "gesetzes-hörigen" Schweizer fällt es natürlich sehr schwer, mit dem Fahrrad auf die Autobahn zu fahren. In der Schweiz wäre man innerhalb von Minuten im Radio und kurz später auch schon von der Polizei sicher von der Autobahn geleitet mit dem anschliessenden Affentheater. Wie konnte es anders kommen, als dass uns eine Gruppe von Motorradpolizisten überholt. Mir rutscht das Herz in die Hose. Als die erniedrigende in "Handschellen Legung" inklusive Verbrennung der Schweizerflagge am Strassenrand ausbleibt, erzähle ich V. davon, dass ich mich bei einem Polizisten erkundigt habe, ob man auf der Autobahn fahren darf, und er es verneint habe. V. meinte dann nur, ob ich die Polizei gefragt habe, oder ob sie es von sich aus gesagt haben. Da wurde mir der kleine feine Unterschied bewusst. Offiziell ist es nicht erlaubt, wenn man es jedoch macht, interessiert es Keinen. Ich fühlte mich irgendwie nach Albanien zurückversetzt. 🙂 V. hat uns auf jeden Fall sicher und mit einer Engelsgeduld (wir radelten mit unseren schweren Anhängern um einiges langsamer als er mit seinem 7-8 Kg Carbon Rad) nach Athen reingeführt. Wir waren beide heilfroh, mussten wir einfach nur ihm folgen und nicht noch selber nach dem Weg suchen. Athen, welches mit seinen Vororten längst verschmolzen ist, zählt ca. 3.5 Mio Einwohner. Und nicht wenige davon fahren in der Stadt mit ihrem Auto rum. Wir kamen nach einer kleinen Rast und mehr als 70 Km nur ca. 30 Min zu spät zum Übergabetermin der Wohnung. V. hat uns gleich noch geholfen, die ganzen Sachen hochzutragen. Wir haben Telefonnummern ausgetauscht und uns für einen Kaffee verabredet. Dies war der Anfang einer besonderen Freundschaft.
