Category Archives: Albanien

Bye Bye Albanien

Wir verlassen heute Albanien mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vorallem M. fühlte sich in Albanien etwas unfrei. Sobald wir die Grenze überschritten haben, hat sich der Zustand schlagartig verbessert. Allerdings möchte ich betonen, dass alle Bedenken, welche wir gegenüber Albaniens Bevölkerung hatten, sich als falsch herausgestellt haben. Die Menschen hier sind in aller Regel sehr herzlich. Wir haben uns z.B. in einem Dorf nach dem Weg erkundigt, da kam ein Mann aus dem Garten und hat uns zwei Granatäpfel überreicht. Oder ein anderes Mal sind wir am Gemüsemarkt einkaufen gegangen, und der Verkäufer gab uns noch extra Gemüse gratis dazu. Auf dem Weg von Mamminas zum Kap Rodon sitzen wir in einem Kaffee und geniessen unseren "Express", als der Kellner vorbei kommt und meint, der Mann von nebenan hätte unseren Kaffee bezahlt. Es heisst, dass sich viele Albaner am sogenannten "Kanun", einem archaischen und mündlich übermittelten "Gewohnheitsgesetz" orientieren, in dem die Ehrenstellung des Gastes betont wird.
Abschliessend können wir sagen, dass uns das Land und die Menschen begeistert haben, lediglich mit den streunenden Hunden und dem Müll hatten wir unsere liebe Mühe.

Butrint, eine Ausgrabungsstätte mit UNESCO Weltkul…

Fast hätten wir das letzte Highlight Albaniens verpasst: Butrint, die Ruinenstadt 20 Km südlich von Sarandë. Wir waren so auf die am gleichen Ort verkehrende Pontonier Fähre fokussiert, dass wir den unscheinbaren Eingang nicht gesehen haben. Zum Glück war die Fähre gerade losgefahren, und so kamen wir mit einem jungen Albaner ins Gespräch. Der meinte, er habe gerade Butrint besucht und zeigt hinter uns auf eine Parkanlage. Erst konnte ich es gar nicht glauben, doch er hatte recht. Wir machten also rechts umkehrt und verbrachten die nächsten 3 Stunden mit dem Bestaunen von Ruinen. Butrint zählt heute zu den beliebtesten Touristenzielen Albaniens, da war es gut, dass wir so früh dort ankamen. Wir waren wiedereinmal praktisch alleine bei einer Sehenswürdigkeit. Als wir das Gelände verlassen hatten, warteten sicher ein dutzend Busse, welche vorallem englisch sprechende Touristen abgeladen haben.

Syri i Kaltër, “Blaues Auge”, der Haaaammmmer

Die Karstquelle mit dem passenden Namen "Blaues Auge" zählt mit 6 m3/s zur wasserreichsten Quelle Albaniens. Das Wasser hat lediglich 10 Grad, was jedoch die Urlauber zumindest im Sommer nicht davon abhält, von der Aussichtsplattform reinzuspringen. Vor dem Hintergrund des hellen Kalksteines hat das Wasser im Sonnenlicht eine tiefblaue Farbe, was ihr auch den Namen verleiht. Das die Quelle umgebende Schutzgebiet ist mit seinen Platanen- und Eichenhainen sehr mystisch.

Zum letzen Mal Sex bevor er stirbt?

Bei der albanischen Ausgrabungsstätte Antigonea habe ich einige Gottesanbeter Fangheuschrecken gesehen. Hier in Albanien gibt es besonders viele. Eine hatte gerade ein Gelege fertiggestellt und sich aus dem Staub gemacht; die anderen waren mitten in der Aktion Nachwuchs zu produzieren – und das erst noch über Kopf hängend. Ob das wohl den nötigen Kick vermittelt? 🙂 Wie man sehen kann, ist das Männchen viel kleiner als das Weibchen. Die unterschiedliche Farbe schein keine Rolle zu spielen, zur Paarung kam es trotzdem. Es scheiden sich die Meinungen, ob das Weibchen das Männchen nach der Befruchtung verspeist. Es gibt wohl beides. Hoffen wir mal, dass dieser Kerl verschont geblieben ist 🙂

Die beindruckende Burganlage von Gjirokastër

Die Burganalage von Gjirokastër hat wirklich etwas Mystisches. Im Hintergrund sieht man den Glockenturm und im Vordergrund eine Veranstaltungsbühne, welche im Jahre 1984 erbaut wurde. Dem Zustand dieser nach zu urteilen, könnte sie aber genau so alt sein wie die Burg. 🙂 Im Hintergrund sieht man eine beeindruckende Bergkette. Albanien ist wirklich bergig…

Ein Fiat Panzer… das muss wohl ein Witz sein

In der Burg Gjirokastër sind u.a. viele Kanonen und Geschütze ausgestellt. Bei diesem Exponat handelt es sich um einen Leicht Panzer von FIAT, ja genau, der italienische Automobilhersteller FIAT. Von dem L6/40 wurden zwischen 1941 und 1943 nur gerade 283 Stück gefertigt. Ich musste beim Anblick etwas schmunzeln. Da kann man ja gleich mit einer Seifenkiste und einer "Käpseli-Pistole" in den Krieg ziehen 🙂 In diesem fahrenden Sarg haben zwei Personen Platz gefunden. Muss wohl für die kleinen Italiener gebaut worden sein; der Platz ist minimal. Dieser Panzer scheint mir also mit seiner 20mm Kanone nur gegen Kugeln eine Sicherheit zu bieten. Bei Granaten bietet er ebenso wenig Schutz wie ein Fiat Panda bei einem Frontalaufprall mit einem 40 Tönner…

Zwei Tage mit dem Jeep durch Albanien

Wir haben uns, wie früher schon einmal erwähnt, den Albanien Führer von hobo-team.de besorgt. Martina und Günther durften wir nun gestern in Ksamil persönlich kennenlernen. Es war ein sehr herzliches aufeinander treffen. Sie haben uns eine Zwei-Tages-Tour durch Albanien mit einem Jeep organsiert. Ok, es ist nicht wirklich ein Jeep sondern vielmehr ein "Jeeplein", aber das reicht vollkommen, um M. bereits an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Ich geniesse es natürlich mit dem 4×4, übrigens mit Geländeuntersetzung, auf den albanischen Landstrassen rumzukurven. Wir suchen also eine Sehenswürdigkeit, als M. plötzlich damit droht, nur noch zu Fuss weiterzugehen. Es wird ihr langsam zu viel. Die Strasse ist wirklich schlecht, und ich bin froh immerhin einen Mini-Jeep zu haben. Just in diesem Moment kommt ein Albaner mit seinem NORMALEN und sicher 20-jährigen Mercedes Benz um die Kurve "ge-eiert". Er sieht unser Auto, sieht die Werbung des Autovermieters und weiss augenblicklich, die haben sich verfahren. 🙂 Er verhilft uns wieder auf den richtigen Weg und gurkt mit seiner Feinstaubschleuder weiter die "bumpy road" entlang. Ich schaue ihm ungläubig nach und lobe die deutsche Wertarbeit, welche zumindest zu der Zeit bei Mercedes Benz geleistet wurde. Es wird noch besser. Auf der Rückfahrt kreuzt uns ein uralter Mercedes Benz LASTWAGEN. Ich glaube ich spinne und muss das als Video festhalten. Im ersten Gang, unter Ausstoss von Unmengen an pechschwarzem Dieselrauch kämpft er sich die Strasse hoch, welche definitiv nicht für PWs gedacht ist. 🙂

Das Carthago Schlachtschiff

Dass es in diesem 4.5 Tonnen schweren und fast 7.5m langen Wohnmobil Chic Line der Firma Carthago sehr gemütlich ist, kann man ziemlich sicher auch schon von aussen erkennen. 🙂 Die Dimensionen sind gewaltig. Es geht soweit, dass selbst ein virtueller Hund im Inneren zur Abwehr von Langfingern bellt, inklusive dem auf der Fahrerseite ersichtlichen "Warnung vor dem Schäferhund" Schild. Hier drin durften wir jeweils unseren Gute-Nacht Kaffee geniessen.

Einbrecherschutz auf Albanisch

Immer mal wieder sieht man Glasscherben auf den Mauern, um die Grundstücke vor möglichen Langfingern zu schützen. Zuvor hatten wir diesen unerbittlichen Schutzmechanismus in Madagaskar beobachtet, kann mir aber vorstellen, dass es auch noch in anderen Ländern usus ist.

Erhohlsame Tage auf dem Camping Kranea bei Himare…

Wir geniessen ganze drei Tage hier auf dem Camping Kranea in Himare. Ich kuriere mich etwas vom verstimmten Magen aus und M. geniesst das Bad im Meer. Es ist ca. 25 Grad warm und die Sonne scheint. Wir kommen mit vielen Campinggästen ins Gespräch, die meisten sprechen deutsch. Mit Ma. und Pe. unterhalten wir uns besonders gut und geniessen die nächsten zwei Abende den Dessert (deutsche Süssigkeiten in bio-Qualität…da ist M. nicht mehr zu halten) ihn ihrem "Carthago Wohnmobil Schlachtschiff". Sie bieten uns an, unser Gepäck von Himare bis nach Ksamil mitzunehmen. Wie nett!!! Wir nehmen dankbar an und fühlen uns geschmeichelt, dass unsere Taschen von einem Mobil 1. Luxusklasse transportiert werden. Der Weg, 70 Km und 1300 Höhenmeter ist ziemlich beschwerlich und die Sonne brennt unerbittlich herunter. M. klagt über Kopfschmerzen. Kurz vor dem Eindunkeln kommen wir auf dem Campingplatz an. Mit Gepäck hätten wir es wohl nicht geschafft.
An dieser Stelle ein grosses DANKESCHÖN an Ma & Pe für das gesamte Verwöhnprogramm 🙂

Yippiiiiieee…. wir haben den Llogora Pass bezwun…

Schon vor Beginn unserer Reise haben wir über den Llogara Pass in Albanien geredet und diesen gefürchtet. Wir hatten mächtig Respekt, auch bei Gesprächen hier in Albanien wurde immer wieder erwähnt, wie schwer es mit dem Rad sein wird. Der Pass geht immerhin von Meereshöhe bis auf 1027 MüM hoch und das ohne Gnade und Verschnaufpause. Als wir überglücklich oben angekommen sind, resümieren wir. Der Pass ist dank monatelangem Training nicht wirklich eine Herausforderung gewesen. Die Fahrräder mussten wir lediglich einmal stossen, um uns vor einem streunenden Hund zu schützen. Ein forsches und lautes Auftreten sowie ein Steinwurf meinerseits hat den Hund das Weite suchen lassen. Ich hatte mir am Vortag irgendwie den Magen verdorben (Rache des Zickleins?) und bin ohne Frühstück und geschwächt den Pass hoch. Aber auch das ging. Die Fahrt runter war herrlich, die Aussicht ein Traum. Leider haben wir die Strecke nach dem Pass etwas unterschätzt, es ging immer noch rauf und runter. So kamen wir einmal mehr auf ca. 1300 Höhenmeter. Ich dachte unterwegs ein paar Mal, dass ich es nicht mehr bis Himare schaffen werde. Am Ende hat es dann trotzdem geklappt – Ende gut, alles gut 🙂

Der Anstieg zum Llogora-Pass oder eine Kuh hinter…

Hier ist M. im Anstieg zum Llogora Pass, welcher von Meereshöhe auf 1027 MüM hochgeht. Wie in der Ferne zu sehen, muss man in Albanien mit allem rechnen. Zum Beispiel einer Kuh, welche seelenruhig mitten in der Strasse nach einer unübersichtlichen Kurve am wiederkauen ist. Da kann ich es noch weniger verstehen, dass gewisse Individuen wie Michael Schumacher den Pass hochrasen.

Ein albanisches Mittagessen

Auf dem Bild zu sehen sind ein gemischter Salat, feinstes Zicklein-Fleisch, Kartoffelschnitze, gebratene Peperoni und Zuchetti, Spinat Burek, getoastetes Brot und irgend eine undefinierbare Masse, welche aber ziemlich gut geschmeckt hat. Und ja, wir haben alles gegessen 🙂 .

Zugfahrt von Durrës nach Vlorë

Wir haben gestern Nacht zum ersten Mal mit warmshowers.org übernachtet. Eine Art Couchsurfing, jedoch nur für Fahrradfahrer. Wir haben so Alexander und seine kleine Familie in Durrës kennengelernt. Sie sind Deutsche Missionare und bieten ihre Couch für Fahrradfahrer an. Zum Glück wurden wir angenommen, haben wir uns doch erst kürzlich für Warmshowers registriert und hatten noch keine Referenzen. Leider gibt es in Albanien nur 2 Warmshowers Stationen, dementsprechend kriegt er viele Anfragen und unsere Zusage ist noch höher zu werten. 🙂 Wir haben bei ihnen viel über Albanien und ihre Mission erfahren. Er war es dann auch, welcher uns auf den Zug von Durrës nach Vlorë aufmerksam machte. So fahren wir nun mit einem Zug, der wegen der schlechten Schienen und Waggons nur ca. 30 Km/h fahren kann, in ca. 5h nach Vlorë. Was für ein Abenteuer! Alle Türen stehen offen, hinten könnte man glatt zum Zug rausfallen, die Türe fehlt komplett. Die alte Diesellok hupt praktisch jede Minute ohrenbetäubend, da es nur sehr wenige Bahnschranken gibt. Dafür hat die Fahrt nur gerade 800 – 900 LEK gekostet, also ungefähr 10 CHF für alles, und die Erfahrung war es auf jeden Fall wert! Die Schaffnerin nahm ihren Job sehr ernst, wir mussten im Zug für die Anhänger nachzahlen. Im deutschen Nachtzug hat die Schaffnerin noch ein Auge zugedrückt…

“Schuh Bar” Strandkunst

Was macht Man(n), wenn es langweilig wird am Strand? Man spielt mit dem allgegenwärtigen Müll. 🙂 Wie uns von einem deutschen Diplomaten erzählt wurde, landet der Müll leider sehr oft im Meer. Albanien hat kürzlich für Italien eine Müllentsorgungsauftrag angenommen. Wo der Müll nun wirklich landet, könnt ihr euch denken. Am Strand sind z.B. "Borotalco" Flaschen, ein italienisches Produkt zu finden. 🙁

Budget Pfefferspray

Wegen den streunenden Hunden, wollten wir uns eigentlich auf die Reise einen Pfefferspray mitnehmen. Leider haben wir diesen vergessen und uns erst in Villach/ Österreich wieder daran erinnert. Als wir an der Touristeninfo in Villach danach gefragt haben und das während dem Harley Davidson Treffen, wurden wir etwas komisch angeschaut. Zu kaufen gäbe es aber, zumindest offiziell, keinen. Wir haben die Thematik mit dem "100 Euro Schweizer" (siehe Beitrag vom 07.10.14) besprochen. Er meinte er benutze immer einen WD 40 oder Scheibenbremsenreinigerspray. Diese Idee haben wir aufgegriffen. Wir haben Scheibenbremsen, welche ab und zu gereinigt werden wollen. Für knapp CHF 5 habe ich diesen in Skhodër erworben. Wenn man die Warnhinweise liest, wäre es einem für das Tier fast lieber, man hätte einen richtigen Pfefferspray dabei. Den Spray habe ich mit einem am Strand gefundenen grünen Fischernetz nun auf meiner Lenkertasche montiert. Auch kam er schon einmal zum Einsatz, zum Glück nur als Abschreckung. Ein Hirtenhund hat M. angefallen, dankbarerweise hat er vor ihrem Bein halt gemacht, als wir bei einer Schafherde vorbeigefahren sind.

Wilde Landschildkröten beim Kap Rodon

Auf dem Weg zum Kap Rodon – man muss bei den ungesicherten Passagen entlang der Steilküste schwindelfrei sein – gibt es keinerlei Sicherung und man muss sich durch Büsche und Dornen zwängen. Wir haben auf dem Steg eine schwarze Schlange und Landschildkröten gesehen. Bei der ersten Schildkröte vermutete ich, dass sie dort ausgesetzt wurde. Beim weiteren darüber nachdenken wurde mir jedoch bewusst, dass sich sicherlich kein Albaner eine Schildkröte kauft, und sie wahrscheinlich eher isst als aussetzt. 🙂 Als wir dann die zweite und dritte angetroffen haben, wurde klar, dass diese hier heimisch sind.

Unser Hilleberg, ein Schneckenparadies

Irgendwie ist unser Zelt, vorallem wenn es feucht ist, ein Paradies für Schnecken. Nirgends sonst kommen sie so schnell vorwärts wie auf dem feuchten Zeltstoff. Man kann sie runternehmen, kaum hat man sich umgedreht, sind sie schon wieder einige Zentimeter hochgekrochen. 🙂 Wer den Cartoon "Turbo" noch nicht kennt, sollte sich den mal anschauen. Passt ganz gut zur Thematik.

Kap Rodon

Wir haben beim Kap Rodon einen wunderschönen Platz zum wild campieren gefunden, wie er uns vom hobo-team.de Team, den Verfassern unseres kleinen Albanienführers, empfohlen wurde. Wie wir später feststellen mussten, war der Ort leider gerade am Weg, welcher zur Skanderbeg Ruine und zum Kap Rodon führt. Ebenfalls wussten wir bis dahin noch nicht, dass der Hirte jeden Abend und Morgen seine Herde bei uns vorbei treibt. M. war beim Zelten nicht sehr entspannt, fragte doch jeder Zweite, welcher an unserem Zelt vorbei lief, was die Fahrräder kosten würden. Als dann der Hirte am letzen Abend noch frech 5 Euro wollte – ich habe ihn freundlich jedoch bestimmt abgewiesen – war es vorbei mit ruhig schlafen. Ich bin gerade am Zähne putzen, es ist schon dunkel, da sehe ich Autoscheinwerfer, welche sich zu uns bewegen. Der Weg ist eigentlich nicht befahrbar, die Strassen haben so tiefe Löcher, dass man ein Kind darin verlieren könnte. Ich sage also M., dass ich die Scheinwerfer sehe, und schon sehe ich sie nicht mehr. Sie hechtet praktisch in das Zelt, holt alle unsere Wertsachen raus und versteckt sie schnurstracks in einer Dornenhecke. Sie denkt sich, dass der verärgerte Hirtenjunge mit Verstärkung im Anmarsch ist und nun mehr als seine 5 Euro möchte. Als sie wieder zurück ist, hat sie den selbstgemachten Pfefferspray und mein grosses Jagdmesser in der Hand. Zum Glück kam weder das eine noch das andere zum Einsatz, es waren lediglich ein paar Jugendliche, welche Party machen wollten und sich mit dem Weg verschätzten. Sie mussten mit dem PW rückwärts wieder rausfahren, da nichts mehr ging. Zum Glück schätzen Albaner das Laufen weniger, so gab es keine Disco auf unserem Berg. Am nächsten Morgen sind wir dann aber weitergefahren.

Das Bunkerparadies von “Enver Hoxha”

Albanien ist dafür bekannt, dass es ungefähr 700'000 Bunker während der Amtszeit von Enver Hoxha errichtet hat. Diese sind vielerorts noch zu sehen. Einige wurden umgenutz, als Stauräume oder zum Beispiel als Viehstall wie der Bunker ganz links. Hier zu sehen eine Bunkerinstallation beim Kap Rodon, welche fast schon etwas Inca mässig aussieht.

Ist das wirklich Trinkwasser?

Bei der Kirche am Kap Rodon soll es anscheinend eine Süsswasserquelle geben. Wir filtrieren also, was das Zeug hält, und fahren zurück zum Camp. Als wir an den PET Flaschen riechen, wird uns fast schlecht. Ich fühle mich in den Chemieunterricht während meiner Schulzeit zurückversetzt. M. meint, es rieche nach Schwefel. Ich koche das Wasser also noch gut 10 Minuten. Was nach dem Abkühlen übrigbleibt, sieht man auf dem Foto. Eine gelbliche Substanz. Wie wir später von einem Albaner erfahren, ist es lediglich ein sehr hoher Eisenanteil, der dem Wasser den etwas unangenehmen Geruch verleiht. Wir benutzen das Wasser auf jeden Fall nicht zum Trinken sondern kaufen im Restaurant teures Wasser aus PET Flaschen.

Hochzeitsfotos mit Oldie und Goldie

Wir sitzen an einem Aussichtspunkt und wollen gerade unser Mittagessen zu uns nehmen, da tauchen zwei Autos auf und halten neben uns. Aus steigt ein Brautpaar mit Fotograf. Dieser sieht in unseren Bikes gleich ein originelles Foto und die Braut fragt auf Englisch, ob sie mit den Bikes ein Foto machen dürfen. So entsteht nicht nur ein spezielles Foto für sie sondern auch für uns. 🙂

Eiertransport auf Schweizer Art

In einem kleinen Supermarkt haben wir uns mit 10 Eiern eingedeckt. Wer denkt, dass man hier Eierkartons kriegt, der irrt sich. Die Eier wurden einfach so in eine Plastiktüte gesteckt. Um diese dann auf dem Fahrrad und auf albanischen Strassen zu befördern, natürlich alles andere als eine gute Idee, ausser man möchte nach Ankunft einfach den ganzen zermatschten Inhalt des Sackes gleich in eine Bratpfanne geben und braten. 🙂 Ein Albaner hatte Mitleid, als er unsere Eier und die Fahrräder gesehen hat und hat uns ein riesiges Pack Servietten geschenkt. Ob sie zum Polstern oder zum Aufwischen der Sauerei gedacht waren, wissen wir nicht. 🙂
Ich habe mich also hingesetzt und einen super Eiertransporter aus Abfällen gebastelt, welche ich gefunden habe: einem Schokoriegelkarton und einem alten Eierkarton…

Auf der Autobahn ausgesetzt…

oder so ähnlich haben wir uns gefühlt, nachdem wir in Mamminas angekommen sind. Vorher haben wir uns am Bushof in Lezha nach einer Mitfahrmöglichkeit erkundigt und wurden mit einem Kleinbus fündig. Wir wussten, dass wir so mit 1000 LEK rechnen müssen. Der Mann, welche die Preise festlegt (diese sind zumindest für die Touris variabel), wollte gleich mal 10 Euro. Das übliche hin und her Spiel hat begonnen, und wir sind bei 5 Euro eingestiegen. Oldie und Goldie sowie die Anhänger wurden alle etwas unsanft in einen viel zu kleinen Gepäckraum gestopft. Als dabei ein Teil abgebrochen ist, welches vom Helfer sofort eingesammelt und in den Laderaum geschmissen wurde, ist mir fast das Herz in die Hose gerutscht. Die ganze Fahrt über habe ich mich gefragt, ob ich das wohl wieder reparieren könnte. Wie sich herausstellen sollte, ist nun auch noch die zweite Klingel vom "Slow Up" futsch gegangen. Uff. Also alles nicht so schlimm. Wir dachten jedenfalls, wir werden schön am Bushof in Mamminas abgeladen. Dies ist aber Albanien, da wird man, zumindest wenn man nicht bis zur Endstation fährt, einfach an der Autobahnausfahrt ausgeladen. Auch da gabs dann nochmals etwas Stress mit dem Geldmacher, als er plötzlich meinte, es wären 5 Euro pro Person gewesen. Wir wurden stur, er musste weiter, so haben wir im Endeffekt doch nur 1000 LEK bezahlt.

Volkssport der Albaner

Raki brennen. Wir checken bei einem Familienhotel ein und kommen mit dem Besitzer, einem Albaner, ins Gespräch. Er lebte 10 Jahre in der Schweiz und war mit einer Bernerin verheiratet. Es muss für ihn eine schlimme Zeit gewesen sein, so erzählt er uns. Stundenlange Spaziergänge am Sonntag mit seiner Frau, gemeinsames Abwaschen usw., das hat seine Ehre verletzt. Alles was er wollte war, mit seinen Kollegen (natürlich ohne Frau) im Kaffee sitzen und Frauen nachschauen. "Weisch, ich Albaner, ich muss Fraue schaue"… 🙂
Auf jeden Fall treffen wir nach und nach seine ganze Familie, inklusive junge albanische Frau. Die Oma schliesst uns gleich ins Herz und zeigt uns, was der Herr des Hauses so treibt. Wir gehen also rüber in den privaten Teil und dort in einen kleinen Schuppen, aus dem es verdächtig qualmt. Als wir drin sind, sehen wir einen älteren Herrn im Unterhemd, wie er gerade nach dem
Holzfeuer schaut. Er ist am Raki brennen, einem Volkssport aller Albaner. Ich zeige mich interessiert an der Apparatur und am Schluss schenkt uns die Oma aus einem 8L PET Wasserkanister ein ganzes Glas voll 42% Raki ein. Wir trinken den noch warmen Raki – er schmeckt übrigens vorzüglich nach Trauben – nur zur Hälfte, wir müssen am nächsten Tag ja noch Rad fahren können.

Die Albaner, ein Volk von Wäschern

Es ist unglaublich, wie viele Autowaschmöglichkeiten es in diesem Land gibt. In jedem kleineren Ort gibt es ein Möglichkeit, sein Auto zu waschen. Alles was es im einfachsten Fall dafür braucht, ist ein Behälter mit Wasser drin, den man in die Höhe stellt und einen Schlauch dran macht. Dann stellt man ein Schild auf und schreibt "Lavazha" drauf und fertig ist die Autowäsche. Da gibt es natürlich nach oben fast keine Grenzen. Den Hochdruckreiniger findet man auch schon recht oft im Einsatz.
Wie wir im Gespräch mit einem Bauernpärchen am Markt erfahren haben, waschen sie nicht nur Autos sondern benutzen z.B. ihre Restaurants am Meer um etwas anderes zu waschen 🙂
Wir kamen leider zur Erkenntnis, dass die Albaner ohne Problem ihren Mercedes auf Hochglanz polieren können; am Abfall, der sich aber neben dem Auto stapelt, daran stört sich keiner. Ich erwähne das nur einmal, dann werde ich mich nur noch auf die schönen Sachen konzentrieren. Albanien hat definitv noch ein Problem mit dem Abfall. Wir sahen uns nach Madagaskar zurückversetzt, wo die Bevölkerung den Umgang mit dem Plastik noch nicht gelernt hat. Sehr viele Gewässer sind mit Plastik verschmutzt, am Strassenrand findet man ebenfalls sehr viel Müll. Immerhin gibt es Bemühungen, denn Müll zumindest mehr oder weniger am gleichen Ort wegzuwerfen, wo ihn dann jemand einsammeln geht.

Traditioneller Albanischer Lastenträger

Schweissgebadet steht das wohl älteste Lastentier in einer Kurve und wartet, bis es weitergeht. Zu bedienen ist es einfacher als ein Auto. Der Besitzer schlägt einfach mit einem Stock und schon bewegt es sich ohne Kuppeln und Gas geben. Wenn man die albanischen Fahrkünste anschaut, denke ich oft, wären sie doch bei Esel und Karren geblieben, es gelten nämlich noch die gleichen Verkehrsgesetze, wie damals. KEINE. Jeder fährt mehr oder weniger, wie es ihm gerade passt. Die Schilder bieten höchstens einen Anhaltspunkt.. 🙂 Je grösser das Auto und je verbeulter es ist, umso mehr Vortritt wird ihm gewährt, denn der kann ja was austeilen. 🙂

Die Moschee “Ebu Bekr” direkt vor unserem Hotelzim…

Unser Hotel liegt am Platz der Demokratie "Sheshi Domakracia". Und genau nebenan befindet sich die Moschee "Ebu Bekr", in ihrem Baustil an die Hagia Sofia in Istanbul erinnernd. Sie bietet Platz für 1300 Gläubige. Als wir es uns im Zimmer gemütlich machen, die Sonne legt sich soeben schlafen, steht der Muezzin auf und ruft die Gläubigen zum Abendgebet. Der Gesang dieses Muezzin ist wirklich einmalig schön. Es stört mich auch nicht gross, als er am nächsten Morgen beim Sonnenaufgang nochmals Allah anpreist.

Die Geschichte, wie wir zu 100 Euro kamen

Wir sitzen einige Kilometer nach der albanischen Grenze im ersten Café, in welchem wir mit Euro zahlen können. Wir trinken also zwei "Café Express" für 100 Lek, umgerechnet ca. CHF 1.20. Auf einmal bemerkt M. einen grünen Bus, welcher auf der Strasse wendet und rückwärts einparkiert. Es ist ein Schweizer mit AG Nummer, genauer aus Oftringen. Ein gut gebräunter älterer Herr in kurzen Hosen und dem Schalk in den Augen steigt aus und kommt an unseren Tisch. Wir kommen ins Gespräch und er setzt sich zu uns. Er ist alleine unterwegs und hat unsere Fahnen an den Fahrrädern gesehen und musste einfach anhalten. "Schweizer mit Fahrrädern trifft man in Albanien nicht all zu oft" meint er. Wir erzählen ihm über unsere Tour, und er stellt interessiert Fragen. Es stellt sich heraus, dass er selbst auch schon weit herumgekommen ist. Im Moment ist er mit einem umgebauten Mercedes Sprinter unterwegs. Was uns aufhorchen lässt, ist, dass er sich mit 50 und seine Frau mit 47 haben pensionieren lassen. Hallo? Das ist unser Plan ;-), und dieser Mann hat es einfach gemacht. Wie genau können wir nicht herausfinden, die Details hütet er, wie das Geheimnis des heiligen Grals. Er meinte schon, dass es knapp wird. Als er erzählt, dass er einen neuen Töff gekauft hat, und der Mercedes 86'000 Euro gekostet hat, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir nehmen an, dass er nicht von dem Ersparten bis 50 lebt. 🙂 Er ist nett und lädt uns zum Kaffee ein und geht bezahlen. M. geht zur Toilette, als er vom Zahlen zurück kommt und mir einen Schein unter die Nase hält. Ich denke schon, dass er mir einen 200 LEK Schein schenken will, da wir auch darüber gesprochen hatten, dass wir noch keine LEK wechseln konnten. Als ich sehe, dass es 100 Euro sind, stockt mir kurz der Atem, und ich sage, dass ich das nicht annehmen kann. Er meinte, dass er sich so gefreut hätte uns zu treffen, dass er uns gerne einmal eine entspannte Busfahrt gönnen möchte. Es geht ein bischen hin und her, ich will nicht, er versteht nicht warum, bis ich schliesslich einwillige und mich herzlich bedanke. M. kommt raus und wir bestaunen gegenseitig unsere Gefährte. Darauf verabschiedet er sich und wünscht uns weiterhin eine gute Reise. Als ich M. die Note zeige, fallen ihr auch fast die Augen raus. Wir bedanken uns noch einmal in Gedanken bei ihm und fahren in Richtung Shkodër.