Wir sitzen einige Kilometer nach der albanischen Grenze im ersten Café, in welchem wir mit Euro zahlen können. Wir trinken also zwei "Café Express" für 100 Lek, umgerechnet ca. CHF 1.20. Auf einmal bemerkt M. einen grünen Bus, welcher auf der Strasse wendet und rückwärts einparkiert. Es ist ein Schweizer mit AG Nummer, genauer aus Oftringen. Ein gut gebräunter älterer Herr in kurzen Hosen und dem Schalk in den Augen steigt aus und kommt an unseren Tisch. Wir kommen ins Gespräch und er setzt sich zu uns. Er ist alleine unterwegs und hat unsere Fahnen an den Fahrrädern gesehen und musste einfach anhalten. "Schweizer mit Fahrrädern trifft man in Albanien nicht all zu oft" meint er. Wir erzählen ihm über unsere Tour, und er stellt interessiert Fragen. Es stellt sich heraus, dass er selbst auch schon weit herumgekommen ist. Im Moment ist er mit einem umgebauten Mercedes Sprinter unterwegs. Was uns aufhorchen lässt, ist, dass er sich mit 50 und seine Frau mit 47 haben pensionieren lassen. Hallo? Das ist unser Plan ;-), und dieser Mann hat es einfach gemacht. Wie genau können wir nicht herausfinden, die Details hütet er, wie das Geheimnis des heiligen Grals. Er meinte schon, dass es knapp wird. Als er erzählt, dass er einen neuen Töff gekauft hat, und der Mercedes 86'000 Euro gekostet hat, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir nehmen an, dass er nicht von dem Ersparten bis 50 lebt. 🙂 Er ist nett und lädt uns zum Kaffee ein und geht bezahlen. M. geht zur Toilette, als er vom Zahlen zurück kommt und mir einen Schein unter die Nase hält. Ich denke schon, dass er mir einen 200 LEK Schein schenken will, da wir auch darüber gesprochen hatten, dass wir noch keine LEK wechseln konnten. Als ich sehe, dass es 100 Euro sind, stockt mir kurz der Atem, und ich sage, dass ich das nicht annehmen kann. Er meinte, dass er sich so gefreut hätte uns zu treffen, dass er uns gerne einmal eine entspannte Busfahrt gönnen möchte. Es geht ein bischen hin und her, ich will nicht, er versteht nicht warum, bis ich schliesslich einwillige und mich herzlich bedanke. M. kommt raus und wir bestaunen gegenseitig unsere Gefährte. Darauf verabschiedet er sich und wünscht uns weiterhin eine gute Reise. Als ich M. die Note zeige, fallen ihr auch fast die Augen raus. Wir bedanken uns noch einmal in Gedanken bei ihm und fahren in Richtung Shkodër.
