Wir haben keinen Plan was uns in Bosnien und Herzegowina erwartet. Ist vielleicht auch besser so. 😉 Wir werden aber sicher berichten, was wir erlebt haben.
Reiseupdates
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Da hat wohl jemand das Wort U-Boot falsch verstanden 🙂 Vom nicht all zu kleinen, versenkten Schiff schaute nur noch eine Antenne aus dem Wasser.

Endlich ist Freitag und wir können später als geplant runter von der Insel. Wir kommen am Hafen an und treffen auf ein österreichisches Fahrradpäärchen. Je näher wir der Abfahrtszeit kommen umso mehr Fahrradfahrer kommen aus ihren Löchern gekrochen… :-). Bis zum Schluss sind es sicher zwei Dutzend. Besonders fallen zwei Schweizer Tandemfahrer auf, mit welchen wir uns über unsere geplanten Routen unterhalten.

oder zumindest ein Abbild davon. Gesehen am Fussballstadion bei Zadar.

Die Fähre kam erst um 22:45 Uhr in Zadar an, da hatten wir keine Lust mehr, noch einen Zeltplatz zu suchen und das Zelt aufzubauen. Booking.com hat uns wieder einmal gute Dienste geleistet und uns die Villa Nada vorgeschlagen. Nur zwei Kilometer vom Fährhafen und der Altstadt entfernt. Die Nacht für schlappe 32 Euro, Secret Deal nennt sich das. Auf dem Boot kommen wir mit zwei Schweizer Tandemfahrern ins Gespräch. Wir diskutieren, welche Strecke von Zadar nach Split wohl die beste sein wird. Die Küstenstrasse möchten sie meiden, sie sei zu befahren, und die Automobilisten fahren wie die Henker. Alternativ kann man mit der Fähre auf vorgelagerte Inseln hüpfen und dort fahren, oder aber man geht Inland; alles jedoch mit Mehrkilometer oder Mehraufwand verbunden. Wir sind ja schon über 2000 Km Küstenstrasse gefahren (quasi Küstenstrassenprofis) und entschliessen uns, die D8 Küstenstrasse zu probieren.
Von den Tandemfahrern erfahren wir auch, dass die heutige Fähre wahrscheinlich 10 Kilometer ausserhalb von Zadar anlegt. Hmmm. Nicht optimal, das würde 12 Kilometer Radfahren bei Nacht bedeuten. Wir legen an und gemäss Maps.me (übrigens eine App mit Offline Kartenmaterial für die ganze Welt, die ich jedem wärmstens ans Herz legen kann) legt die Fähre wirklich nicht am Altstadthafen an, jedoch auch nicht weit ausserhalb. Dank Google Maps finden wir den Weg auch bei Dunkelheit gut. Im Gespräch mit dem Vermieter erfahren wir, was wir bereits Dank der Wetter Pro App vermutet haben. Es wird sintflutartig regnen. Wir haben überhaupt keine Lust, im stärksten Regen des Jahres, die Küstenstrasse zu befahren. Wir beschliessen, dass wir zwei Nächte in der Villa bleiben. Wir kriegen ein Appartement mit voll eingerichteter Küche und kuschliger Sofaecke. Hier lässt es sich zwei Tage aushalten. M. fragt sicherheitshalber nach, ob wir das wirklich für 32 Euro kriegen 🙂 Des Vermieters Standardspruch lautet "Don't worry about a thing" (macht euch keine Sorgen). Wir fragen z.B. "Müssen wir unsere Fahrräder abschliessen?" Seine Antwort: "Don't worry about a thing, we have cameras all over." Ich denke mir, na schön, was bringt es mir, wenn ich den Hintern des Fahrraddiebes auf der Kamera sehe? Macht sich nicht besonders gut als Fahndungsbild. 😉 Ich schliesse die Fahrräder auf jeden Fall ab!

Auch in Zadar kann die Sonne ganz schön untergehen.

Ich schlafe nicht wirklich gut, ich werde von Stechmücken vernascht. Am Morgen, M. ist bereits beim duschen, knöpfe ich mir die fliegenden Blutsauger vor. Ich schliesse das Fenster und verriegle die Türen, den Schlüssel ziehe ich ab und nimm ihn in die Hosentasche, nicht das noch eine entwischt. It's payback time. Jeweils einer gegen einen, wie ein fairer Kampf ausgetragen werden sollte. Ich mit meiner alten Unterhose aus dem Wäschesack bewaffnet, sie jeweils mit einem Stechrüssel. Ich hoffe, dass wenn sie mein Schlag verfehlen sollte, sie wenigstens vom Duft der Hose was abbekommen und immer etwas träger werden, bis sie um Erlösung bitten 🙂 Ich zähle mindestens sechs Mücken.
Nachdem ich mit ihnen fertig bin, sind von den Verlierern lediglich noch einige Blutflecken an den Wänden und der Decke zu sehen.
Bevor wir die nächste Nacht ins Bett gehen, diskutieren wir bereits, wie wir betreffend der Mückenplage vorgehen sollen. M. möchte unbedingt bei offenem Fenster schlafen, sie ist sich die frische Luft vom Zelten gewöhnt und schwafelt was von Platzangst und so… ich höre schon gar nicht mehr wirklich zu, ich möchte Türe und Fenster zu haben, das Zimmer wurde immerhin peinlichst genau von Moskitos gesäubert. Falls ich das mache, wird M. auf dem Sofa schlafen, teilt sie mir mit. Ok. Kein Problem. Als ich ins Zimmer gehe, ist das Fenster sperrangelweit offen. Ich kriege fast einen Herzkoller. M. meint, dass die Mücken nur bei Licht reinkommen, und wenn wir das Licht ausmachen, auch keine Mücken da sein werden. Ich mache das Fenster zu, M. legt sich trotzdem neben mich ins Bett. Na auch gut, hauptsache das Fenster und die Türe bleiben zu.
Ich wache plötzlich auf, schaue auf die Uhr, es ist knapp vor 2 Uhr, und der Ruf der Natur hat mich geweckt. Ich gehe also schlaftrunken aus dem Schlafzimmer, wie meistens mit Stöpsel im Ohr. Im Dunkeln sehe ich eine weisse Gestalt im Wohnzimmer rumgeistern, das Herz rutscht mir fast in die Hose, ich fürchte um meinen iPad, iPhone usw., ich schaue mich bereits nach einem Golfschläger um, um den Einbrecher zur Strecke zu bringen. Ich nehme die Stöpsel raus und höre M. ganz verschlafen und unschuldig sagen: "Ich hatte Hunger…" Ufff. Nochmals alles gut gegangen. Wir haben im Restaurant gegessen, ihr Fischfilet schien wohl vom Goldfisch gekommen zu sein, so klein war es. M. hat also im Dunkeln im Schalfkleidchen den Rest ihres Bureks verdrückt um ihren Hunger zu stillen.
Auf den Gegenschlag der Moskitos musste ich nur genau eine Nacht warten. Hinterlistig wie sie sind, griffen sie im Dunkeln an. Zum Glück ist unser Mückengitter am Innenzelt immer schön geschlossen, da können die Mosis noch lange rumsurren, ist mir schnurz-piep-egal. Ich liege also schön auf meiner Matratze und träume von meiner Heldentat von letzer Nacht, da wache ich auf mit schmerzender Hüfte. Hmm. Die Luft meiner Luftmatratze ist fast raus und ich liege auf dem Boden. Ich höre es regnen und renne, also vielmehr schäle ich mich aus dem Zelt – fühlt sich irgendwie an, wie wenn ein 80-Jähriger sich aus einem tiefer gelegtem Sportauto quält, und sammle alle Sachen zusammen, welche ich zum lüften rausgehängt habe. Kaum im Innenzelt angekommen, bemerke ich den fiesen Hinterhalt. Ich bin so rasch aus dem Zelt gestürmt, dass ich vergessen habe, das Moskitonetz zum Innenzelt zu schliessen. Natürlich warteten einige Mücken hämisch grinsend auf mich im Innenzelt. Als ich die allerletzte in die ewigen Jagdgründe geschickt habe und das Licht ausmache, sehe ich wie sich eine Letze in den hintersten Winkel bei Ms. Schlafsack versteckt. Hmm. Die lasse ich leben, wird mir schon nichts antun. Das war ein grosser Fehler. Natürlich hat mir die fiese Sa. genau einen Stich ins Gesicht verpasst. Nachdem ich das Zelt fast geräumt habe, sehe ich sie auf Ms. weissen Leintuch sitzen. Zum Glück fliegt sie gleich davon um auf dem schwarzen Boden zu landen. Als ich sie platt klatsche, bleibt ein roter Blutfleck zurück. Man stelle sich Ms. Reaktion vor, wenn dieser auf ihrem geliebtem weissen Leintuch zu sehen wäre. 🙂
Die Kroaten scheinen ein eigene Automarke zu haben. Genauer ist es eine serbische Automobilmarke – Zastava. Hier zu sehen, das Model Yugo. Ich habe aber auch schon kleinere Laster der Marke Zastava hier rumkurven sehen. Spannend…

Auch wir sind auf den Trick reingefallen als wir die möglichen Campsites auf der Karte angeschaut haben. Wir haben uns für den mit dem deutsch klingenden Namen "Camping Klaus" entschieden, in der Hoffnung, dass er unter deutscher Führung steht und eine deutsche Mama in peinlichst genauer deutscher Gründlichkeit mindestens dreimal pro Tag das Klo schrubbt. Als wir auf dem Camping, vielmehr einem privaten Hinterhof, angekommen sind, trafen wir ausser einem Tschechen nur Deutsche an. Auch diese sind wohl dem Namenstrick auf den Leim gegangen. Eine Rezeption suchte man vergebens, dem vermeintlichen Klaus, einem kaum deutschsprechenden Kroaten, habe ich zwischen Tür und Angel 100 Kuna in die Hand gedrückt und gut wars. Unsere Pässe haben ihn nicht die Bohne interessiert. 🙂 Ach ja, es war kein Klopapier vorhanden und Seife zum Hände waschen gab es nur bei den Damen. Unser abkühlendes Bad im Hafen wurde leider durch an der Wasseroberfläche schwimmende Fäkalböötchen getrübt 🙁

Sibenik ist definitiv einen Besuch wert. Vorallem die Kirche, welche ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe Kroatiens ist, und der dazugehörige Platz, strahlen eine angenehme Energie aus. Auch hier hat der Krieg seine Spuren hinterlassen, in einer metallenen Eisentür an der Kirche sieht man noch die Einschusslöcher.

Wir kommen gerade rechtzeitig beim Camping in Trogir an. Der Himmel verdunkelte sich zusehends, und die ersten Tropfen waren bereits zu spüren. Vor der Rezeption sehen wir eine Schlagen, am Fenster eine Notiz "Back in 5 Minutes". Wir möchten nur eines, das Zelt noch im Trockenen aufstellen. Ich mache also ein Foto der Stellplätze, und wir fahren einfach selber auf den Platz. Auf den "tents only" Stellplätzen sehe ich VW-Busse usw. stehen, gehe also davon aus, dass sich niemand daran hält. Wir finden einen super Platz und beginnen unser Zelt aufzubauen. Natürlich fährt 2 Minuten später ein Camper vor und sagt, ihm wurde von der Rezeption dieser Platz zugewiesen. Wir verschieben das Zelt zwischen zwei Bäume. Es windet so stark, dass uns eine Nachbarin mit Schweizer SG Nummer zu Hilfe eilt. Kaum steht das Zelt, sehe ich die junge, dunkelhaarige Dame von der Rezeption mit einem Paar im Schlepptau über den Zeltplatz laufen, sie zeigt ihnen die möglichen Stellplätze. Sie schaut nur kurz zu uns rüber, registriert dabei aber alles. Das Zelt steht und ich mache mich auf den Weg zur Rezeption. M. geht duschen. Sie sagt mit Nachdruck, ich solle darauf bestehen, dass wir dort bleiben können. Schon als ich die sichtlich gestresste und völlig unmotivierte junge Frau frage "How are you…?" schaut sie mich komisch an und sagt: ich habe euch und euer Zelt gesehen. Da könnt ihr nicht bleiben. ICH bestimme wer, wie und wo sein Zelt aufbaut. Alles "bezirzen" und schöne Geschichten erzählen fruchtet nicht. Sie sagt immer nur "bei uns geht das anders…" Wir müssen also zum zweiten Mal auf unserer Reise ein fixfertig aufgebautes und eingerichtetes Zelt verschieben und zwar in die "tents only" Zone, die ich einfach nicht gesehen habe, weil sie sich hinter der Mauer und genau am Wasser befindet. Wir treffen andere Fahrradreisende aus den USA, und wir sind uns einig, dass man hier den Kundenservice nicht wirklich lebt. In der Nacht, wir haben natürlich das Zelt wieder einmal nur mit den allernötigsten Heringen gesichert, werden wir vom krassesten Gewittersturm auf unserer Reise heimgesucht. Mehrere Stunden lang regnet, blitzt und donnert es, was das Zeugs hält. Das Zelt wird nur dank unserem Gewicht am Boden gehalten, an schlafen war nicht zu denken, die losen Zeltwände haben so einen Lärm verursacht, dass auch die Ohrstöpsel nicht mehr geholfen haben.

Früher war das Fischerdörfchen nur mit dem Boot zu erreichen, jetzt gibt es einen Damm über welchen man rüber kann. Im Zentrum wurde geschmackvoll sehr viel weisser Stein verbaut, was Primosten zu einem Touristenziel macht. Es gibt dementsprechend viele Restaurants und Caffees in welchen es sich sehr gut entspannen lässt.

Unterwegs pflücken wir wilde Granatäpfel von den Bäumen. Es ist schon beindruckend, was hier alles wächst. Es gibt riesige Rosmarin Sträucher, Salbei wächst wie Unkraut an den Strassenrändern, desweiteren Feigen, Mandarinen, Zitronen, Oliven…

Die Altstadt von Trogir besteht aus Venezianischen Bijous und ist wirklich sehr schön erhalten…so schön, dass sie kurzerhand als Ganzes zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Im "Frizerski Salon" hinter den beiden roten Scootern wurden meine Haare auf 5mm getrimmt. Das für schlappe CHF 10.

In Togir gibt es einen sehr schönen Markt, wo wir uns 1 kg Granatäpfel für lediglich 15 Kuna (d.h. Fr 1.50) gekauft haben. M. hat hier von 20 auf 15 Kuna runtergehandelt, das möchten wir uns langsam angewöhnen und nicht immer den überteuerten Touri Preis bezahlen. Leider haben wir keine Ahnung wieviel Kg er uns wirklich eingepackt hat, er hat irgendwelche Gewichte auf einer uralten Waage hin und her verschoben und dann behauptet, es seien 1 Kg. Hier sieht man mal wieder, was einen guten Verkäufer ausmacht. Er hat bereitwillig den tiefen Preis akzeptiert und uns somit als Kunden behalten, in dem Wissen, dass er uns einfach etwas weniger draufpackt… 🙂

Wir dachten eigentlich, dass wir nicht nach Bosnien und Herzegowina (BiH) kommen würden. Unsere geplante Route hätte uns via Insel Hopping an BiH vorbeigeführt. BiH hat lediglich einen 6 Km breiten Küstenstreifen an der Adria. Vorher und nachher wird es von Kroatien begrenzt. Leider fahren gewisse Fährverbindungen nur bis zum 28. September, so mussten wir unsere Route spontan ändern und kamen so unverhofft in den Genuss eines weiteren Landes… 🙂

Wir haben uns gefragt, wozu wohl diese Lautsprecher an dem komplett aus Beton bestehenden Kirchenturm, welcher in Neum (BiH) steht, angebracht wurden. Wir spekulierten schon über eine gemischte Nutzung zwischen Christen und Muslimen und scherzten, ob wohl morgens um 5 der Muezzin mit dem Mikro in der Hand zum Morgengebet schreit. Um genau 20:00 Uhr wussten wir, was es geschlagen hat. Über die Lautsprecher wurde in einer mega Lautstärke das Glockengeläute abgespielt. Wenn man sich keinen richtigen Glockenturm mit Glocken und allem leisten kann, muss man es wohl so machen. Man konnte das krächzen der Lautsprecher ganz deutlich hören und wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen. Als es dann am nächsten Morgen um 06:00 Uhr noch einmal geläutet hat, ist uns das Lachen so ziemlich vergangen 🙂

